Erzbistum Köln Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungen gegen Woelki ab

Der Fall eines wegen Missbrauchs verurteilten Kölner Priesters hat keine juristischen Konsequenzen für Kardinal Woelki. Die Staatsanwaltschaft fand offenbar keine Anhaltspunkte für eine Mitverantwortung an den Taten.
Rainer Maria Woelki: Sieht sich als »vollständig entlastet« an

Rainer Maria Woelki: Sieht sich als »vollständig entlastet« an

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Die Staatsanwaltschaft in Köln hat die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Kardinal Rainer Maria Woelki und den ehemaligen Generalvikar Markus Hofmann abgelehnt. Das teilte das Erzbistum Köln mit. Zur Begründung habe die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass keinerlei Anfangsverdacht vorliege.

Auch der »Kölner Stadtanzeiger « berichtet unter Berufung auf einen Bescheid der Behörde davon, dass Woelki »juristisch aus dem Schneider« sei. Es hätten sich keine »zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für verfolgbare Straftaten« ergeben, heißt es.

Die Vorwürfe standen in Zusammenhang mit dem Fall des wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Kölner Priester Hans Bernhard U. Im Kontext des Prozesses waren mehr als 30 Strafanzeigen gestellt worden gegen den Kölner Erzbischof Woelki, Ex-Generalvikar Hofmann, den früheren Offizial Günter Assenmacher sowie den ehemalige Generalvikar und heutigen Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße. Dabei ging es unter anderem um den Vorwurf der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern.

Entlastet oder schockierende Entscheidung?

U. war Ende Februar wegen des jahrelangen Missbrauchs von insgesamt neun Mädchen zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine Opfer zwischen 1993 und 2018 in insgesamt 110 Fällen sexuell missbrauchte.

Im Prozess war auch die Frage einer Mitverantwortung der Kirche für U.s Taten thematisiert worden. Obwohl den Verantwortlichen des Erzbistums Köln immer wieder Vorwürfe gegen den Pfarrer zugetragen worden sein sollen, habe er stets aufs Neue die Gelegenheit erhalten, mit Kindern allein zu sein. Amtsträger des Erzbistums Köln haben in dem Prozess jede Mitverantwortung bestritten.

Woelki und Hofmann »sehen sich durch diese Entscheidung der Staatsanwaltschaft von den erhobenen Vorwürfen vollständig entlastet«, hieß es in der Mitteilung des Erzbistums. Es gibt jedoch auch massive Kritik. »Wenn es hart auf hart kommt, schützt die staatliche Strafverfolgung mit einer kirchenfreundlichen Linie die Bischöfe«, sagte der Kirchenrechtler Thomas Schüller dem »Kölner Stadtanzeiger«. Der Kardinal könne »von Glück sagen, dass die Kölner Staatsanwaltschaft der Kirche gegenüber eine Beißhemmung hat«. Die Initiative Maria 2.0 sprach von einer schockierenden Entscheidung.

bbr/AFP
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