Besoldungsaffäre von Polizeigewerkschafter Abgewendtet

Der Vorstand der Deutschen Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen kritisiert mit scharfen Worten Bundeschef Rainer Wendt: "Mittlerweile ist es so, dass man schon überall schief angeschaut wird." Es müsse Konsequenzen geben.

Rainer Wendt
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Rainer Wendt


Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) mit fragwürdigen Einkünften, gerät noch stärker unter Druck. Der nordrhein-westfälische Landesvorstand verschickte einen Brandbrief an die anderen Landesverbände, der "mit kollegialen Grüßen und besten Wünschen" schließt. Auf den mehr als drei Seiten davor aber geht es um anderes: mit scharfen Worten gegen Wendt zu schießen. Der Brief liegt dem SPIEGEL vor.

Man habe sich ja damit abgefunden, "dass Rainer Wendt uns stets mit NRW betreffenden Themen in der Presse und in den Medien unabgestimmt und ungefragt in die Parade gefahren ist", heißt es in dem Brief. Doch nun gebe es eine neue Lage, eine dramatische, existenzbedrohende: "Die Glaubwürdigkeit und Seriosität vieler Gewerkschaften und Ehrenamtler steht auf dem Spiel!"

Rückzug aus dem Bundesvorstand

Wendt erhielt seit Jahren in Nordrhein-Westfalen ein Gehalt als Polizist, obwohl er ausschließlich für die Gewerkschaft arbeitete. Den Sachverhalt hatte er zunächst geleugnet.

Nachdem sich die DPolG auf Bundesebene hinter ihn gestellt hatte, zogen sich zwei hochrangige Vertreter aus NRW - Landesvorsitzender Erich Rettinghaus und sein Stellvertreter Wolfgang Orscheschek - aus dem Bundesvorstand zurück. Die "Hamburger Morgenpost" hatte zuvor berichtet, dass Wendt seit 2013 jährlich 50.000 Euro für seine Tätigkeit im Aufsichtsrat eines Versicherungskonzerns bezieht.

"Überall schief angeschaut"

Den Brief verschickte nun Rettinghaus im Namen des Geschäftsführenden Vorstands NRW, auch um die Rücktritte zu erklären. Die Empörung über den Bundeschef ist offenbar groß. "Wir werden ab jetzt nur noch auf die Lügen und die Einkünfte reduziert", schreibt Rettinghaus.

"Mittlerweile ist es so, dass man schon überall schief angeschaut wird, und wir nun die sind, die das Geld abziehen." Wendt habe nie vergessen zu erwähnen, dass er aus Nordrhein-Westfalen komme - auch wenn er nicht dort wohne oder seinen Lebensmittelpunkt habe.

Nun dränge sich ein Neuanfang der Gewerkschaft auf Bundesebene auf. "Das System Rainer Wendt lässt sich dauerhaft nicht mehr halten", heißt es in dem Schreiben. "Es geht nicht um die Solidarität zu Rainer Wendt, es geht mittlerweile um die Deutsche Polizeigewerkschaft insgesamt!"

aul

insgesamt 125 Beiträge
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paulvernica 10.03.2017
1. Das beste an dem Fall
ist mal wieder der NRW Innenminister Jäger. Er hat nämlich mal wieder nichts gewusst. Genauso wenig wie vom Attentäter Amri oder der Kölner Sylvesternacht. Wozu wird der eigentlich bezahlt ? Es wird wirklich dringend Zeit dass sich nrw eine neue Regierung jenseits von rot-grün sucht.
Jasro 10.03.2017
2. Rainer Wendt zu unbequem?
Ähnlich wie Thilo Sarrazin ist Rainer Wendt durch das offene Aussprechen politisch unkorrekter Wahrheiten dem politischen Establishment offensichtlich zu unbequem und muss deshalb "abgeschossen" werden.
bjbehr 10.03.2017
3. Zur rechten Zeit am rechten Ort
Wo es diesen Herren - und es sind zumeist Herren der Schöpfung - möglich ist abzuschöpfen, seien es Steuerschlupflöcher oder sonstige windige Formulierungen in zumeist obskuren Vereinbarungen, tun sie es auch. Hier schon wieder diverse Wendt'sche Vorgänger anzuführen - müßig und gähnend langweilig. Sie sind sattsam bekannt. Der kleine Mann hat weder diese Möglichkeiten, noch Steueranwälte, geschweige denn ganze Kanzleien oder sogar Landesregierungen im Rücken. Auch deshalb fährt Martin Schulz' Gerechtigkeitsthema so erfolgreich durch die Lande. Dem Ottonormalverbraucher ist sein kleines Pöstchenverschaffe herzlich egal. Es ist die Selbstbedienungsmentalität gepaart mit der verhassten Globalisierung gepaart mit der faktischen Enteignung durch die Nullzinspolitik, die ihn mittlerweile auf die Barrikaden treibt und die die Regierung noch in keinster Weise gewillt war zu unterbinden. Der Punkt ist überschritten und wie es scheint, gerade zur rechten Zeit.
räbbi 10.03.2017
4.
Zitat von JasroÄhnlich wie Thilo Sarrazin ist Rainer Wendt durch das offene Aussprechen politisch unkorrekter Wahrheiten dem politischen Establishment offensichtlich zu unbequem und muss deshalb "abgeschossen" werden.
Möglich...aber wenn ich immer ganz dick auf "law and order" mache, sollte ich vorher meine Leichen im Keller ein Stück tiefer einbuddeln. Wer so eine offene Flanke bietet, hat's sich dann eben auch redlich verdient
hevopi 10.03.2017
5. Vielen Zuhörern von Herrn Wendt
ist sehr wohl bewußt, warum jetzt die Politik diese Persönlichkeit "abschießen" will. Es geht doch nicht um Nebeneinkommen, sondern um kritische Aussagen, die Politiker nicht hören wollen. Endlich hat man ein Haar in der Suppe gefunden und will nun diesen Mann einschließlich der Kochtöpfe loswerden.
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