Ex-Chef des Uno-Klimarates Dritte Frau wirft Pachauri sexuelle Belästigung vor

Gegen den zurückgetretenen Chef des Uno-Klimarats IPCC, Rajendra Pachauri, wird bereits wegen sexueller Belästigung ermittelt. Jetzt erhebt eine weitere Frau laut einem Medienbericht neue Vorwürfe.

Rajendra Pachauri (Archiv)
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Rajendra Pachauri (Archiv)


Vor gut einem Jahr trat Rajendra Pachauri vorzeitig als Chef des Uno-Klimarats IPCC zurück - nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung. Jetzt berichtet eine weitere Frau von sexuellen Avancen des Inders, meldet der britische "Guardian". Demzufolge ging die Frau an die Öffentlichkeit, nachdem sie einen Artikel gelesen hatte, in dem Pachauri die gegen ihn gemachten Vorwürfe zurückwies.

Darin hatte Pachauri angegeben, seine E-Mail sei gehackt worden. Die Vorwürfe seien eine Verschwörung mit dem Ziel, ihn zu diffamieren. Pachauri stand dem IPCC 13 Jahre vor und war im Februar 2015 zurückgetreten.

Gegen den 75-jährigen wurde in diesem Monat offiziell Anklage erhoben, nachdem eine 29 Jahre alte Angestellte ihn angezeigt hatte, berichtet der "Guardian". Sie hatte beim Energy and Resources Institute (Teri) gearbeitet, das Pachauri geleitet hatte.

Sie wirft dem Inder vor, sich wiederholt unangemessen verhalten zu haben, unter anderem mit anzüglichen E-Mails und Kurznachrichten. Auch eine weitere Angestellte hatte Anzeige erstattet.

Die Frau, die sich nun öffentlich äußerte hält die Angaben Pachauris, sein Computer sei gehackt worden, für "völlig falsch", schreibt der "Guardian" weiter. Sie habe sich in seiner Gegenwart unwohl gefühlt. Er habe seine Hände wiederholt auf ihre Hüften gelegt und sie länger umarmt als angemessen. Zudem habe er sie auf die Wange geküsst.

Angebliche Einladung ins Sommerhaus

Richtig unangemessen wurde es für die damals 19-Jährige, als Pachauri sie einmal zu Hause besuchte, als sie sich krank gemeldet hatte, heißt es in dem Bericht weiter. "Er kam mit einem Rosenstrauß", sagte sie demzufolge und sie habe sich verängstigt gefühlt. Schließlich habe Pachauri sie in sein Sommerhaus eingeladen und klar gemacht, dass sie alleine seien würden ohne seine Ehefrau. Daraufhin habe sie um ihre Versetzung gebeten.

Pachauri nahm für den IPCC den Friedensnobelpreis entgegen, den das Uno-Gremium 2007 zugesprochen bekam. In die Kritik geriet er, weil er den Gewinn des Nobelpreises allen beteiligten Wissenschaftlern widmete. Erst 2012 nahm der IPCC diese Ansicht offiziell zurück. Der Nobelpreis sei nur dem Klimarat als Organisation verliehen worden.

Überschwang wurde Pachauri auch immer wieder vorgehalten, wenn er Forschungsergebnisse an politische Mahnrufe knüpfte. 2010 überstand der Ökonom und Eisenbahningenieur Anschuldigungen, die sich gegen angebliche ökonomische Interessenkonflikte richteten; Pachauri hatte Beraterverträge mit Großunternehmen geschlossen.

brt/boj



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