In Dresden getöteter Sechsjähriger Angeklagte in Raserprozess zu Haftstrafen verurteilt

Zwei Männer lieferten sich in Dresden mit ihren Autos ein Rennen, einer der Wagen erfasste und tötete einen Jungen. Das Landgericht der Stadt hat den Haupttäter nun zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.
Ort der Kollision im Sommer 2020: 20 Meter durch die Luft geschleudert

Ort der Kollision im Sommer 2020: 20 Meter durch die Luft geschleudert

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Das Landgericht Dresden hat »nicht den leisesten Zweifel« daran, dass die beiden Männer mit ihren Autos Richtung Dresdner Innenstadt rasten: Die Strafkammer hat einen 32-Jährigen und einen 24-Jährigen wegen eines verbotenen Autorennens mit Todesfolge zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Der Haupttäter, der den Jungen mit seinem Wagen erfasste, muss dem Schuldspruch zufolge für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Der 24 Jahre alte Fahrer des zweiten Wagens erhielt eine zweijährige Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur Bewährung.

Die beiden Männer hatten das Rennen am 22. August 2020 auf einer mehrspurigen Straße gefahren. Der Sechsjährige hatte einen Pfad auf dem Grünstreifen der Straße genutzt, um nach Hause zu gelangen. Nachdem das Auto des älteren Verurteilten den Jungen erfasst hatte, wurde er gut 20 Meter durch die Luft und gegen eine Bushaltestelle geschleudert. Das Kind starb noch an der Unfallstelle.

Raserei und illegale Straßenrennen gelten seit 2017 in Deutschland als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Nach dem Strafgesetzbuch wird das mit einer Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Haft bestraft – und mit bis zu zehn Jahren, wenn jemand dabei schwer verletzt oder getötet wird.

Der Fahrer des Wagens hatte den Jungen mit einer Geschwindigkeit von mindestens 89 km/h erfasst. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wäre der Unfall vermeidbar gewesen, wenn der Mann die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h eingehalten hätte.

Der 24-Jährige sprach dem Sender MDR  zufolge vor Gericht vom größten Fehler seines Lebens. Er wolle dafür »die volle Verantwortung« übernehmen, bestritt demnach aber ein verabredetes Wettrennen. Auch der Fahrer, der den Jungen erfasste, bestritt demnach über seinen Anwalt ein verabredetes Rennen.

Zuletzt hatte auch ein Fall aus Berlin immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Nachdem sich ein Autofahrer dort 2016 mit einem anderen Mann ein Rennen geliefert hatte und dabei ein Rentner starb, wurde ein Raser wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof hatte diesen Schuldspruch im Sommer 2020 bestätigt.

apr/dpa
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