Rassismus in den USA Verwaltungsdirektor von Ferguson zurückgetreten

Eine Untersuchung des US-Justizministeriums hatte gezeigt: Bei den Strafverfolgungsbehörden in der US-Kleinstadt Ferguson ist systematischer Rassismus die Norm. Jetzt ist der Verwaltungsdirektor der Stadt zurückgetreten.

Stadtratssitzung in Ferguson: Alltäglicher Rassismus bei Polizei und vor Gericht
AP

Stadtratssitzung in Ferguson: Alltäglicher Rassismus bei Polizei und vor Gericht


Ferguson - John Shaw will nicht mehr Verwaltungsdirektor sein. Einstimmig votierte der Stadtrat der Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri bei einer Versammlung am Dienstag dafür, den Rücktritt des 39-Jährigen anzunehmen.

Als sogenannter City Manager war Shaw nicht gewählt, sondern von der Gemeinde angestellt und hatte unter anderem die Aufgabe, die Polizeiarbeit zu beaufsichtigen. Shaw hatte diese Position seit 2007 inne.

In seiner Amtszeit soll er laut einem Bericht des Justizministeriums vor allem daran interessiert gewesen sein, die Einkünfte der Gemeinde zu steigern, vor allem über das verstärkte Eintreiben von Gerichtskosten und Bußgeldern - zu Lasten vor allem der afroamerikanischen Bevölkerung, wie es hieß. Der Untersuchung zufolge war Shaw begeistert, als man ihm mitteilte, dass die Gemeindeeinnahmen im Jahr 2012 erstmals die Zwei-Millionen-Dollar-Grenze überschritten hätten.

Die Behörden von Ferguson waren in die Kritik geraten, als ein weißer Polizist im August den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown erschoss. Der verantwortliche Beamte, Darren Wilson, wurde nie angeklagt. Auch das US-Justizministerium stellte das Verfahren gegen ihn ein. Die Untersuchung des Justizministeriums sollte klären, ob Rassismus in der Polizei und vor Gericht in Ferguson tatsächlich an der Tagesordnung sind.

Der vorgelegte Bericht belegte massiven Rassismus: Die in der Mehrzahl weißen Polizisten drangsalieren die überwiegend afroamerikanische Bevölkerung regelmäßig mit illegalen Festnahmen und Bußgeldern. Dabei werde exzessiv Gewalt angewendet, man hetze Hunde auf die Menschen und verwende Taser gegen Unbewaffnete. Der Untersuchung zufolge gab es eine klare Anweisung der Stadt an die Strafverfolgungsbehörden, dass das Eintreiben von Geldern höchste Priorität habe.

Shaw dementierte am Dienstag einige Vorwürfe vonseiten des Justizministeriums: "Mein Büro hat der Polizeibehörde niemals Anweisung gegeben, Afroamerikaner ins Visier zu nehmen oder Anklagen zu fabrizieren, um Gelder zu generieren", hieß es in einer Stellungnahme.

Die US-Regierung hatte sich schockiert gezeigt angesichts der Ergebnisse der Untersuchung. Präsident Barack Obama verurteilte die Missstände in Ferguson aufs Schärfste. Man werde der Polizeigewalt in Ferguson entschlossen entgegentreten, sagte Justizminister Eric Holder vergangene Woche in Washington. Notfalls müsse die Polizeibehörde der Stadt im Bundesstaat Missouri komplett umgebaut werden.

Bereits am Montag hatte der ebenfalls in die Kritik geratene Stadtrichter Ronald Brockmeyer sein Amt niedergelegt. Vergangene Woche wurden ein hochrangiger Beamter sowie zwei Polizisten entlassen.

ala/Reuters/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.