Fall Stephen Lawrence Britische Polizei stellt Ermittlungen zu rassistischem Mord ein

Vor 27 Jahren erstach eine Gruppe weißer Jugendlicher einen jungen, schwarzen Mann - der Fall deckte auch Rassismus bei der Polizei auf. Mangels neuer Ermittlungsansätze werden weitere Untersuchungen nun gestoppt.
Getöteter Stephen Lawrence

Getöteter Stephen Lawrence

Foto: - / AFP

Die britische Polizei hat die Ermittlungen zu einem Mordfall eingestellt, der einen Skandal um Rassismus in den eigenen Reihen ausgelöst hatte. Mangels neuer Ermittlungsansätze trete die Untersuchung zum Mord an dem vor 27 Jahren erstochenen 18-jährigen Stephen Lawrence in eine "inaktive Phase", erklärte die Londoner Polizeichefin Cressida Dick.

Lawrence war Ende April 1993 von einer Gruppe weißer Jugendlicher an einer Bushaltestelle in London erstochen worden. Fünf Verdächtige wurden kurz danach festgenommen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Beweise jedoch für nicht ausreichend für eine Anklageerhebung gesehen. Zwei der Verdächtigen wurden schließlich 18 Jahre nach der Tat auf der Grundlage neuer Beweismittel zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Doch viele Fragen des Falls waren damals offengeblieben - unter anderem die Frage, welche Rolle die anderen Verdächtigen spielten.

"Zutiefst frustrierend"

Trotz der beiden Verurteilungen sei klar, dass es weitere Beteiligte gegeben habe, erklärte Scotland Yard. Es sei "zutiefst frustrierend", dass ihnen die Tat nicht habe nachgewiesen werden können. "Dies war ein entsetzlicher rassistischer Mord und ich bin traurig, dass wir für Stephen, seine Familie und Freunde keine weiteren Urteile erreichen konnten", sagte Polizeichefin Dick.

Die Polizei war damals für ihre stümperhaften Ermittlungen scharf kritisiert worden. Unter anderem hatte sie die Verdächtigen erst zwei Wochen nach der Tat festgenommen, obwohl es unmittelbar danach bereits deutliche Hinweise gab. Eine von der Regierung eingesetzte Untersuchungskommission warf der Londoner Polizei 1999 "institutionellen Rassismus" vor und gab eine Reihe von Empfehlungen ab.

Die Eltern des Opfers hatten eine Kampagne gegen Rassismus in der Polizei gestartet. In deren Folge habe es "tief greifende Veränderungen in der Polizeiarbeit, dem Gesetz und der Gesellschaft" gegeben, sagte Polizeichefin Dick.

lmd/AFP/Reuters
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