Raststätten-Überfall Polizei fahndet nach schwedischen Nazi-Schlägern

Nach dem brutalen Überfall von Rechtsradikalen auf nordhessische Gewerkschaftsmitglieder bei Jena fahndet die Polizei nach drei schwedischen Neonazis. Sie sollen einem 40-Jährigen den Schädel zertrümmert haben.


Jena/Kassel - Es war eine Zufallsbegegnung mit blutigem Ausgang: Auf dem Autobahnrastplatz Teufelstal bei Jena trafen nach der Anti-Neonazi-Demo von Dresden drei Reisebusse zur gleichen Zeit ein - in zweien saßen Demo-Teilnehmer, im dritten 41 Rechtsextremisten. Es kam zu einem brutalen Überfall der Rechtsradikalen auf nordhessische Gewerkschaftsmitglieder. Nun fahndet die Polizei nach drei schwedischen Neonazis.

Die rechtsextremen Schläger hatten auf der Rastanlage mehrere Gewerkschafter attackiert und fünf verletzt haben, einen von ihnen schwer. Das schwer verletzte Opfer, ein 40-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis, liegt seit dem Überfall mit einem Schädelbruch in einer Klinik. Er sollte noch am Montag operiert werden.

Die drei schwedischen Nazis seien wegen Fluchtgefahr bundesweit zur Festnahme ausgeschrieben worden, sagte ein Polizeisprecher in Jena am Montag. Die Gesamtzahl der Tatverdächtigen wollte er nicht nennen. Zur Aufklärung des rechtsextremen Übergriffs wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, an der das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) beteiligt ist. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf schweren Landsfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung.

Bei den Opfern der Attacke handelt es sich um Gegendemonstranten der Neonazi-Kundgebung in Dresden, die ebenfalls auf dem Rückweg waren. Sie waren in zwei Bussen unterwegs, die der nordhessische DGB gemeinsam mit Unterstützung von SPD, Grünen, Linke und verschiedenen Friedensaktivisten organisiert hatte.

Das schwer verletzte Opfer aus dem Schwalm-Eder-Kreis sei Mitglied der IG BAU, sagte der nordhessische DGB-Regionsvorsitzende Michael Rudolph am Montag. Nähere Details zu ihm sind nicht bekannt. "Der Kollege hat uns gebeten, ihn so weit wie möglich zu anonymisieren", erläuterte Rudolph. Auch den anderen Teilnehmern der rund 80-köpfigen Gruppe gehe es "nicht gut", fügte Rudolph hinzu. "Alle hatten große Angst, als sie plötzlich von den Rechten attackiert wurden."

Die rechtsextremen Angreifer waren in einem Bus mit insgesamt 41 Insassen im Alter von 14 bis 53 Jahren aus dem Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schweden unterwegs. Sie beschimpften die nordhessischen Gegendemonstranten zunächst, schließlich sollen sie den parkenden Bus mit Gegenständen beworfen haben.

Den meisten Mitgliedern der etwa 80-köpfigen Reisegruppe gelang es laut DGB noch, sich in den Bus zu retten. Der Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis sei von den Rechtsextremen aus der halb offenen Tür gezerrt, zu Boden geworfen, getreten und geschlagen worden.

Der DGB Hessen-Thüringen forderte nach dem Übergriff die Politik auf, sich "für ein Verbot der NPD und anderer neonazistischer Organisationen einzusetzen". Die hessische Linke fragte, wie lange den "neofaschistischen Umtrieben" noch zugeschaut werden solle, "bis bundesweit verstanden wird, dass es endlich ein NPD-Verbot braucht".

SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel verurteilte den Übergriff und sagte, die thüringische Regierung müsse "für rasche Aufklärung sorgen", ob Versäumnisse der Sicherheitsbehörden vorlägen.

Zum Jahrestag der Bombardierung im Februar 1945 hatten am Samstag in Dresden Tausende Menschen gegen die Vereinnahmung des Gedenkens durch Rechtsextremisten demonstriert. Etwa 6000 Neonazis waren nach Polizeiangaben durch die sächsische Landeshauptstadt gezogen.

jjc/ddp/dpa



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