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29. September 2018, 14:05 Uhr

Messerangriff in Ravensburg

"Lasst uns jetzt zusammenstehen"

Nach dem Messerangriff in der Ravensburger Innenstadt warnt der Integrationsminister Baden-Württembergs davor, den Vorfall zu instrumentalisieren: Zusammenhalt solle vor Hass und Häme stehen.

Drei Personen wurden am Freitagnachmittag in Ravensburg bei einem Messerangriff verletzt, eine von ihnen lebensgefährlich. Bei den Opfern handelt es sich offenbar um zwei syrische Asylbewerber im Alter von 19 und 20 Jahren sowie einen 52-jährigen Deutschen. Attackiert wurden sie auf dem innenstädtischen Marienplatz von einem laut Polizeiangaben 19 Jahre alten Asylbewerber aus Afghanistan. Über sein Motiv ist noch nichts bekannt, die Behörden gehen jedoch nicht von einem terroristischem Hintergrund aus. Der Angreifer wurde festgenommen und befindet sich in Polizeigewahrsam.

Baden-Württembergs Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha (Die Grünen) sagte am Samstag: "Es ist selbstverständlich, dass der Täter mit allen in einem Rechtsstaat zur Verfügung stehenden Mitteln zur Rechenschaft gezogen werden wird. Gleichzeitig werden wir gerade jetzt nicht nachlassen, unsere Integrationsbemühungen in dieser Stadt und darüber hinaus fortzusetzen."

Die Bürger von Ravensburg und Umgebung forderte Lucha auf, sich nicht verunsichern oder aufhetzen zu lassen: "Wir lassen uns nicht von Menschen auseinander dividieren, die diese furchtbare Tat nun für politische Zwecke missbrauchen und Hass und Häme über all jene ausschütten, die für Zusammenhalt in dieser Stadt standen und stehen", sagte der 57-jährige Politiker: "Lasst uns jetzt zusammenstehen."

Offenbar sorgt sich Lucha, dass es in der schwäbischen Stadt zu ähnlichen Protest-Aufmärschen rechtsradikaler Gruppen und wütender Bürger kommen könnte, wie Ende August in Chemnitz nach der tödlichen Messerattacke auf Daniel H. Die AfD heizte eine Stimmung des Unmuts bereits am späten Freitagabend mit einem hämischen Tweet an, in dem den Behörden Verharmlosung vorgeworfen wird ("Bloß ein #Einzelfall") und stichwortartig insinuierende Reizworte aneinandergereiht werden: "Mann | 19 (?) | Messer | Asylbewerber | Allahu Akbar | Afghanistan | 3 Schwerverletzte |"

Auf dem nördlichen Marienplatz in Ravensburg kam es in jüngster Zeit vermehrt zu Gewalt und aggressiven Zwischenfällen. Minister Lucha zeigte sich am Samstagvormittag erschüttert über die Gewalttat in seiner Heimatstadt. Er dankte dem Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp (CDU): Dessen beherzter Einsatz am Freitag habe womöglich Menschenleben gerettet, so Lucha. Rapp hatte geschildert, wie er, zufällig vor Ort, den mutmaßlichen Täter aufgefordert habe, das Messer fallen zu lassen, was dieser dann auch getan habe.

bor/dpa

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