Schlag gegen Araber-Clans in Berlin Der Zugriff

Mehr als 200 Polizisten waren an einem Großeinsatz gegen arabische Familienclans in Berlin beteiligt. Der Innensenator wollte ein Signal senden.

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Der Zugriff erfolgte im Morgengrauen. Mit 220 Beamten marschierte die Berliner Polizei seit 4.30 Uhr gegen mutmaßlich kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien auf. In mehreren Stadtteilen der Hauptstadt durchsuchten die Ermittler 16 Gebäude, Lokale, Firmen, Wohnungen. Die Bilanz: acht Festnahmen und zahlreiche beschlagnahmte Gegenstände, darunter Schusswaffen, Bargeld, Schmuck und ein Porsche.

Es war ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität, der ein Signal der Entschlossenheit senden sollte. Der Staat dulde "keine rechtsfreien Räume", erklärte Innensenator Frank Henkel (CDU) in einer rasch versandten Mitteilung. "Das gilt für kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien genau wie für jeden anderen in unserer Stadt."

Ermittler haben Zeugenaussagen

Seit Jahrzehnten betreiben arabische Familienclans in Berlin kriminelle Geschäfte. Die Deutsche Polizeigewerkschaft geht von insgesamt neun Familien aus, die stets aufs Neue in den Fokus der Ermittler rücken. Typisch für dieses Milieu ist absolute Verschwiegenheit. Aussagen von Zeugen sind äußerst selten.

Das ist im jetzigen Fall offenbar anders. Insgesamt geht es um drei verschiedene Vorwürfe: schwerer Raub, illegaler Waffenbesitz und Anstiftung zum Mord. Aus dem Kreis der acht Beschuldigten im Alter von 20 bis 56 Jahren habe es umfangreiche Angaben gegeben, teilte der Berliner Staatsanwalt Martin Steltner bewusst vage mit.

Drei der acht Verhafteten sollen an einem spektakulären Überfall auf das KaDeWe im Dezember 2014 beteiligt gewesen sein. Damals stürmten fünf Vermummte am Vormittag in das Berliner Kaufhaus und sprühten mit Reizgas um sich. Sie erbeuteten Schmuck und Uhren im Wert von 817.000 Euro, dann gelang ihnen die Flucht.

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Großeinsatz der Polizei: Zugriff in Neukölln

Gegen zwei mutmaßliche Täter und einen Helfer begann der Prozess Ende 2015, einer aus dem Trio wurde inzwischen freigesprochen, so Steltner.

Seit Längerem suchen die Staatsanwälte drei Komplizen, die mit im Kaufhaus waren. Obwohl es Verdächtige gab, reichten die Indizien nicht für eine Anklage. Nun hat sich die Situation offenbar geändert. Steltner sagte, drei der jetzt Verhafteten seien mutmaßlich Mittäter gewesen.

Bei mindestens einem der nun Verhafteten geht es um Anstiftung zum Auftragsmord, der allerdings nicht ausgeführt wurde. Hintergrund ist ein Streit um eine Frau, wie Steltner mitteilte. Im Herbst 2015 wurde einem Mann ins Bein geschossen. Details zu den Vorwürfen gegen die einzelnen Beschuldigten wollte Steltner nicht nennen.

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, lobte den Großeinsatz der Polizei als "Ergebnis sorgfältiger Ermittlungen". Er hoffe, dass die Razzia der Auftakt sei für weitere Aktionen. "Eigentlich sollte es solch eine Razzia einmal im Monat geben", sagte Wendt SPIEGEL ONLINE. Die Clans müssten "permanent Verfolgung spüren".

Zugleich kritisierte Wendt, der Polizei fehle es an Personal und Technik, um den Clans ebenbürtig zu sein. Der Staat gerate bei der Verfolgung "mehr und mehr ins Hintertreffen".

insgesamt 62 Beiträge
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tropfstein 12.04.2016
1. Die Ermittler brauchen Hilfe von der Politik
Man sollte auch erwähnen, wie enorm schwierig es ist, in diesem Milieu zu ermitteln und wie zahnlos der Rechtsstaat im Endeffekt ist. Ein Bespiel: wenn die Polizei bei einem arabischen (oder sonst einem) Hartz-IV-Empfänger Hunderttausend Euro in bar findet, müssen die Ermittler (!!) nachweisen, dass das Geld kriminellen Hintergrund hat. Hier müssten die Verdächtigen erklären müssen, woi das Geld herkommt.
secret.007 12.04.2016
2. Es wurde ...
... auch Zeit. Lange genug hat man ja weg- oder zugeschaut.
kaizerofbln 12.04.2016
3. Endlich
Schön, dass Polizei und Staatsanwaltschaft hier endlich durchgreifen, einige Gruppen scheinen ja zu glauben, tun und lassen zu können, was sie wollen. Hoffentlich bleibt der Druck bestehen und die Strafen fallen entsprechend aus. Man fragt sich allerdings, warum der Senator meint, betonen zu müssen, dass man keine rechtsfreien Räume zulasse. Das sollte doch völlig selbstverständlich sein.
kroganer 12.04.2016
4. Na endlich!!
Wurde auch Zeit!! Ich hab mich schon gefragt was noch passieren muss bis mal endlich was gegen diese kriminellen Banden, ob Araber Clans, Motorrad Gangster oder einfache Strassengangs getan wird. Aber wahrscheinlich nicht genug öffentliches Interesse. Ist schon seltsam, in diesem Land gehen die Menschen auf die Straße wenn Flüchtlinge kommen sollen, aber keiner bewegt sich wenn es darum geht Stellung zu beziehen gegen die Organisierte Kriminalität! Mal schauen ob das eine Eintagsfliege war oder endlich mal Tacheles angesagt ist.
fletcherfahrer 12.04.2016
5. Seit Jahrzehnten begehen die Clans...
... kriminelle Taten. Und jetzt schlägt die Polizei zu. Donnerwetter, sind die aber schnell!
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