Razzia in Rio Eliteeinheiten töten neun mutmaßliche Dealer

Dramatische Szenen in der Favela: Bei stundenlangen Schießereien zwischen maskierten Militärpolizisten und mutmaßlichen Rauschgifthändlern sind in einem Slum von Rio de Janeiro neun Menschen ums Leben gekommen. Sechs weitere wurden verletzt.

Rio de Janeiro - Mit gepanzerten Fahrzeugen durchbrachen mehr als hundert Militärpolizisten am Vormittag eine Straßensperre am Eingang zu dem Elendsviertel Vila Cruzeiro im Norden von Rio. Schwer bewaffnet pirschten sich die mit Sturmhauben bekleideten Einsatzkräfte an die mutmaßlichen Rauschgifthändler heran.

Mehrere Stunden lieferten sich die Parteien in der Folge einen Schusswechsel. Der Einsatz dauerte bis zum Einbruch der Dunkelheit, erst am Abend kehrte Ruhe ein. Polizeikräfte riegelten das Viertel weiträumig ab. Schulen und Geschäfte in dem von 20.000 Menschen bewohnten Viertel blieben den ganzen Tag über geschlossen. Einwohner, die zur Arbeit wollten, mussten wegen der heftigen Kämpfe wieder umkehren.

Der Polizei zufolge handelte es sich bei allen neun Toten um Rauschgifthändler. Von den sechs Verletzten sei einer schwer verwundet, hieß es. 14 Verdächtige nahm die Polizei fest, beschlagnahmte außerdem Drogen und Waffen, darunter ein Maschinengewehr.

Bereits im vergangenen Jahr waren in Vila Cruzeiro bei einer Schießerei zwischen Rauschgifthändlern und Polizisten mehr als 30 Menschen getötet worden. Die örtlichen Behörden gehen mit Unterstützung der Regierung von Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva mit aller Härte gegen das organisierte Verbrechen vor. Amtlichen Angaben zufolge starben bei den bewaffneten Konfrontationen im vergangenen Jahr 1260 Menschen, 18,5 Prozent mehr als 2006.

Im vergangenen November hatte UN-Sonderberichterstatter Philip Alston die Polizeigewalt in Brasilien scharf kritisiert. Wenn in Polizeiberichten regelmäßig davon die Rede sei, Beamte hätten in Notwehr geschossen und getötet, würden häufig außergerichtliche Hinrichtungen verschleiert, sagte er. Daraufhin rechtfertigte der Gouverneur von Rio de Janeiro, Sergio Cabral, das harte Vorgehen der Polizei. Jahrelang hätten Drogen- und andere Verbrecherbanden in den Slums mit ihren rund eineinhalb Millionen Einwohnern weitgehend freies Spiel gehabt. Dies sei nun vorbei.

ala/AFP

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