Nach Razzien in sechs Bundesländern Mutmaßliche Rechtsextremisten in Untersuchungshaft

Eine rechte Gruppe soll Attentate auf Juden und Flüchtlinge in Deutschland geplant haben. Am Tag nach den umfangreichen Razzien sind nun Haftbefehle gegen zwei Festgenommene ergangen.

Durchsuchung in Berlin-Moabit
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Durchsuchung in Berlin-Moabit


Nach den Razzien gegen ein Netzwerk von Rechtsextremen sitzt der 66 Jahre alte Hauptverdächtige in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte den Haftbefehl erwirkt. Dabei gehe es um den Vorwurf der Volksverhetzung, sagte ein Sprecher der Behörde. Ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof erließ zudem gegen einen 51-Jährigen aus dem Rhein-Neckar-Kreis Haftbefehl. Er soll gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz verstoßen haben.

Die beiden Männer waren am Mittwoch bei Durchsuchungen festgenommen worden. Ermittler waren in sechs Bundesländern im Einsatz. Bei den Razzien gegen insgesamt sieben Beschuldigte wurden Waffen, Munition und Sprengstoff sichergestellt.

Die Gruppe selbst soll aus sechs Menschen zwischen 35 und 66 Jahren bestanden haben. Es besteht der Verdacht auf Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung. Ein siebter Verdächtiger soll das Netzwerk "durch Beschaffungshandlungen" unterstützt haben. Durchsucht wurden Wohnungen und Räume in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

Laut Bundesanwaltschaft soll die Gruppe Anschläge auf Juden, Asylbewerber und Polizisten geplant haben. Erkenntnisse zu konkreten Vorbereitungen gebe es aber nicht.

Der Hauptverdächtige stammt aus Schwetzingen in der Nähe von Heidelberg und soll den "Reichsbürgern" nahestehen, die der Verfassungsschutz beobachtet. Sogenannte Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik nicht an und behaupten, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) warnte vor weiteren rechtsextremen Netzwerken in Deutschland. "Unsere Sicherheitsbehörden stellen fest, dass sich rechtsextreme Gruppen organisatorisch immer enger zusammenschließen", sagte der SPD-Politiker. Diese Gruppen verfolgten ganz klar das Ziel, vernetzt besser Straftaten begehen zu können. "Das ist besorgniserregend."

bim/dpa



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