Reederei Costa Crociere "Niederträchtige und ungerechte Anschuldigungen"

Harsche Kritik übten Passagiere und der Kapitän des vor Giglio havarierten Schiffs an der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere. Jetzt geht das Unternehmen in die Offensive - und wehrt sich im römischen Senat gegen die "niederträchtigen Anschuldigungen".


Rom - In den vergangenen Tagen ist die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere nach der Havarie eines ihrer Schiffe vor der Insel Giglio zunehmend in die Kritik geraten. Unter anderem soll die Entscheidung, die "Costa Concordia" ganz nah an die Küste in gefährlich flaches Wasser zu bringen, von der Reederei getroffen worden sein.

Dem trat der Vorstand und Geschäftsführer Pierluigi Foschi bei einer Anhörung vor dem Senat in Rom an diesem Mittwoch vehement entgegen, indem er die Schuld auf den Kapitän schob. "Wenn sie gefragt wird, kann die Firma einem touristischen Manöver zustimmen." Es sei nicht verboten, sich der Küste zu nähern, die Praxis an sich sei nicht riskant, wenn man sich an die Vorgaben halte. Das bedeute unter anderem, dass man keinesfalls mit einer Geschwindigkeit von 16 Knoten auf die Küste zufahren dürfe - so wie es Kapitän Francesco Schettino nachgesagt wird.

Zudem habe der Krisenmanager der Reederei, der unmittelbar nach dem Unglück mit dem Kapitän am Telefon sprach, aus dessen Angaben und seinem Tonfall nicht erkennen können, dass es sich um eine Notsituation an Bord handele. Die Vorwürfe, das Personal sei nicht ausreichend geschult gewesen, bezeichnete Foschi als "niederträchtige und ungerechte Anschuldigungen".

Nach der Kollision mit dem Felsen seien "fast alle Passagiere vom Schiff geholt worden, trotz der Neigung des Schiffes und in kürzester Zeit", betonte Foschi. Auf die Zeit, die verstrich, bevor überhaupt mit der Evakuierung begonnen wurde - etwa 73 Minuten - ging er nicht ein.

Auch den Vorwurf, an Bord hätten sich nichtregistrierte Passagiere, unter ihnen auch Schwarzarbeiter befunden, wies Foschi zurück. "Es ist undenkbar, dass ein Unternehmen wie das unsere, mit einer so reichen Erfahrung, es sich erlauben könnte, an Bord eines Schiffes blinde Passagiere zu haben." Costa Crociere verfüge über ein sehr modernes System, bei dem jeder Passagier fotografiert und mit einem Code registriert werde, so der Geschäftsführer weiter.

Seit 2003 verfüge das Unternehmen über eine Bescheinigung, die faire Arbeitsbedingungen garantiere. "Unsere Lieferanten müssen nachweisen, dass sie keine Kinder oder Jugendlichen beschäftigen und Religionsfreiheit, gleiche Bezahlung und Gleichbehandlung der Geschlechter garantieren können", sagte Foschi.

Kategorisch bestritt Foschi, dass die Blackbox der "Costa Concordia" seit 15 Tagen defekt gewesen sei, wie es der Kapitän behauptet hatte. "Die Blackbox war nicht kaputt." Es habe ein Problem am 10. Januar gegeben, am Tag darauf hätten die Techniker die Baufirma kontaktiert. Es habe ein "kleines Koordinationsproblem" gegeben, das aber die Datenübertragung und die Möglichkeit, die Blackbox-Daten auszuwerten nicht beeinflusst habe.

Das Unglück vom 13. Januar sei ein "tragischer Vorfall, der nicht geschehen sollte und auch nicht hätte geschehen müssen", sagte der Geschäftsführer. Unter den Totesopfern des Schiffsunglücks der "Costa Concordia" sind zwei Deutsche identifiziert worden. Weitere zehn Staatsangehörige würden noch vermisst, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Mittwochabend in Berlin. Einer der beiden Toten war bereits von den italienischen Behörden identifiziert worden. An Bord des Kreuzfahrtschiffes waren etwa 4.200 Menschen. Bislang ist der Tod von 16 Menschen bei dem Unglück bestätigt. 17 Personen gelten offiziell als vermisst.

Schettino steht noch immer unter Hausarrest, sein Anwalt hat am Mittwoch vor einem Gericht in Florenz dagegen Einspruch eingelegt. Die erste Anhörung ist für den 3. März geplant.

ala

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wylly 26.01.2012
1. Ich glaube der Reederei
Zitat von sysopHarsche Kritik übten Passagiere und der Kapitän der vor Giglio havarierten Schiffs an der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere. Jetzt geht das Unternehmen in die Offensive - und wehrt sich im römischen Senat gegen die "niederträchtigen Anschuldigungen". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,811429,00.html
weil nicht einmal der Lufthansa Vorstand einem Flugkapitän die Anweisung geben könnte in 50 m Höhe über der Landebahn zu fliegen um Zuschauer zu beeindrucken. Was ich aber von diesem kapitän halte (fahre selber seit vielen Jahren eine 25 m Motoryacht) darf ich nicht schreiben ohne eine Anzeige wegen Beleidigung zu erhalten.
luigi 27.01.2012
2. Die Reederei....
Zitat von wyllyweil nicht einmal der Lufthansa Vorstand einem Flugkapitän die Anweisung geben könnte in 50 m Höhe über der Landebahn zu fliegen um Zuschauer zu beeindrucken. Was ich aber von diesem kapitän halte (fahre selber seit vielen Jahren eine 25 m Motoryacht) darf ich nicht schreiben ohne eine Anzeige wegen Beleidigung zu erhalten.
...hat offen mit den nahen Vorbeifahrten geworben. So viel dazu. Und es ist nicht bekannt, dass sie Order gegeben hat, bestimmte Abstände bei Vorbeifahrten einzuhalten. Und wenn ich sehe, was für Manöver so manche Skipper von 25-Meter- oder sonstigen Freizeitbooten fahren, dann ist der Kurs vom Katastrophen-Käptn eine Kindergartennnummer dagegen....das sage ich auch auf das Risiko einer Anzeige hin. Luigi
luigi 27.01.2012
3. Nachtrag
Zitat von wyllyweil nicht einmal der Lufthansa Vorstand einem Flugkapitän die Anweisung geben könnte in 50 m Höhe über der Landebahn zu fliegen um Zuschauer zu beeindrucken. Was ich aber von diesem kapitän halte (fahre selber seit vielen Jahren eine 25 m Motoryacht) darf ich nicht schreiben ohne eine Anzeige wegen Beleidigung zu erhalten.
Und was einem Flugkapitän passiert, der auf Anordnung irgendeines Vorstandes nicht nur 50, sondern knapp 10 Meter über der Landebahn fliegt, um die Zuschauer zu beeindrucken, können Sie hier sehen. Airbus A320 crash at Habsheim airshow, France 1988 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=-cv2ud1339E) Luigi
guteronkel 27.01.2012
4. immer auf den Kapitän
Zitat von wyllyweil nicht einmal der Lufthansa Vorstand einem Flugkapitän die Anweisung geben könnte in 50 m Höhe über der Landebahn zu fliegen um Zuschauer zu beeindrucken. Was ich aber von diesem kapitän halte (fahre selber seit vielen Jahren eine 25 m Motoryacht) darf ich nicht schreiben ohne eine Anzeige wegen Beleidigung zu erhalten.
Wobei aber noch zu klären wäre, ob es tatsächlich schon früher gefährliche Manöver gegeben hatte und warum denn niemand, also auch kein Beobachter von der Insel Giglio, dies öffentlich gemacht hat. Es hat also Gefallen und Bewunderung erregt. Das ist die eigentliche Ursache. So bleibt es der Insel und ihren Bewohnern nur zu wünschen, dass diese noch eine richtige Ölkatastrophe erfahren.
Michael KaiRo 27.01.2012
5. Und selbst wenn
Zitat von sysopHarsche Kritik übten Passagiere und der Kapitän der vor Giglio havarierten Schiffs an der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere. Jetzt geht das Unternehmen in die Offensive - und wehrt sich im römischen Senat gegen die "niederträchtigen Anschuldigungen". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,811429,00.html
in letzter Konsequenz ist der Kapitän für das Schiff und die Passagiere verantwortlich. Wenn die Reederei zum Käptn sagt: He, fahr das Schiff mit über 4.000 Menschen mal gegen ne Mauer, wir brauchen Kohle von der Versicherung, dann tut das der Käptn auch? Dieser Kapitän Francesco Schettino ist eine Schande für den ganzen Berufszweig; der sollte nicht unter Hausarrest stehen, sondern in Untersuchungshaft sein, damit er sich schon mal an die Gefängniszellen gewöhnen kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.