Reemtsma-Entführer Thomas Drach im Hubschrauber zum Gericht geflogen

Per Helikopter ist Reemtsma-Entführer Thomas Drach aus dem Gefängnis in den Gerichtssaal gebracht worden. Der 61-Jährige, angeklagt wegen Raubs und versuchten Mordes, hatte sich zuletzt über die Sicherheitsmaßnahmen mokiert.
Helikopter mit angeklagtem Thomas Drach als Passagier

Helikopter mit angeklagtem Thomas Drach als Passagier

Foto: SASCHA STEINBACH / EPA

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist am Mittwoch in einem Hubschrauber vom Gefängnis in Köln-Ossendorf zum Landgericht Köln geflogen worden. Nachdem er auf dem Hubschrauberlandeplatz ausgestiegen war, wurde er von zwei Polizisten abgeführt.

Drach muss sich wegen mehrerer Überfälle auf Geldtransporter verantworten. Er ist angeklagt wegen versuchten Mordes, besonders schweren Raubs und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Der Prozess gegen ihn war wegen Coronafällen zuletzt an mehreren Tagen ausgesetzt worden.

Und auch die heutige Verhandlung wurde schon nach wenigen Minuten wieder unterbrochen. Ein als Komplize Mitangeklagter hatte am Morgen über Schulterschmerzen geklagt, sein Verteidiger erklärte daraufhin, sein Mandant sei nicht verhandlungsfähig. Die Richter zogen sich zurück, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Schon der Beginn hatte sich um eine halbe Stunde verzögert, weil die Verteidiger bemängelten, zu wenig Platz zu haben. Ein Drach-Anwalt sagte: »Im Tierheim ist mehr Platz.« Nachdem mit zusätzlichen Tischen Abhilfe geschafft worden war, konnte der Prozess mit knapp einstündiger Verspätung beginnen.

Die Sicherheitsvorkehrungen für den Prozess sind streng. Der 61-jährige Angeklagte hatte sich zuletzt über sie mokiert und sie als »lächerlich« bezeichnet. So beklagte Drach, dass er jeweils mehrfach seine Schuhe ausziehen müsse. »Als wenn ich die da mit den Gummilatschen bewerfe«, sagte er in einer Verhandlung. »Wissen Sie, wie das ist? Wie so eine Komödie von Louis de Funès. Die Hosenscheißer-Brigade.«

Drach werden in dem Prozess Überfälle auf vier Geldtransporter in Köln, Frankfurt am Main und Limburg vorgeworfen. Ein mutmaßlicher Komplize ist mitangeklagt. Zu den Vorwürfen selbst will sich Drach nicht äußern. Seine Anwälte haben erklärt, sie gingen von einem Freispruch aus.

1996 hatte Drach den Erben der Hamburger Tabakdynastie Reemtsma, Jan Philipp Reemtsma, entführt und ihn später gegen Lösegeld wieder freigelassen. Für die Tat wurde er einst zu vierzehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Anfang 2021 war er wegen des Verdachts auf die Überfälle in den Niederlanden festgenommen worden.

ala/dpa
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