Reemtsma-Lösegeld Ex-Zuhälter wegen Hells-Angels-Erpressung angeklagt

Der Ex-Zuhälter Horst R. soll Mitglieder der Frankfurter Hells Angels erpresst haben. Sein Druckmittel: Die Rocker wuschen angeblich Teile des Lösegelds aus der Reemtsma-Entführung. Nun wurde der 62-Jährige angeklagt.
Horst R. bei seiner Festnahme auf Mallorca: Anklage wegen Erpressung im besonders schweren Fall

Horst R. bei seiner Festnahme auf Mallorca: Anklage wegen Erpressung im besonders schweren Fall

Foto: Guardia Civil

Aachen - Jahrelang soll Horst R. Mitglieder der Rockerbande Hells Angels erpresst haben. Im April wurde der ehemalige Zuhälter auf Mallorca festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Nun hat die Staatsanwaltschaft Aachen Anklage wegen Erpressung im besonders schweren Fall gegen den 62-Jährigen erhoben.

Laut Staatsanwaltschaft und Polizei drohte R. den Frankfurter Rockern mit Enthüllungen: Sie hätten Summen "in Millionenhöhe" aus Teilen des Reemtsma-Lösegelds "gewaschen". Demnach soll das Geld unter anderem durch Mitglieder des zwischenzeitlich verbotenen Charters "MC Hells Angels Westend" gewaschen worden sein. Der Staatsanwaltschaft zufolge erhielt R. daraufhin von mindestens zwei Personen monatliche Zahlungen zwischen 2000 und 3000 Euro.

Das Geld soll über Mittelsmänner zu dem Rentner gelangt sein, meistens wurde an seine Schwester überwiesen. Der 60-Jährigen wird daher Beihilfe vorgeworfen.

Horst R. hat sich bislang zu den Vorwürfen gegen ihn nicht geäußert. Seine Schwester bestreitet die Tat. Wann das Hauptverfahren gegen die beiden vor dem Landgericht Aachen eröffnet wird, ist noch nicht bekannt.

Der Hamburger Unternehmer Jan Philipp Reemtsma wurde 1996 von Thomas Drach und zwei Komplizen entführt. Nach gut vier Wochen kam er gegen die Zahlung eines Lösegelds von 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken frei. Vom Lösegeld ist bislang nur ein kleiner Teil aufgetaucht. Drach befindet sich nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe wieder auf freiem Fuß.

gam
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