Halbnackt im Regierungsflieger Mann muss in Psychiatrie

Das Kölner Landgericht hat das Urteil gegen einen psychisch kranken Mann gesprochen, der im vergangenen Sommer halbnackt in ein Regierungsflugzeug geklettert war. Der 25-Jährige soll auf unbestimmte Zeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden.

Angeklagter vor dem Landgericht Köln: Persönliche Ausnahmesituation
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Angeklagter vor dem Landgericht Köln: Persönliche Ausnahmesituation


Köln - Ein psychisch kranker Mann, der im vergangenen Sommer ein Regierungsflugzeug in Köln geentert hatte, soll laut einem Urteil des Landgerichts Köln in ein psychiatrisches Krankenhaus. Der 25-Jährige, der unter Wahnvorstellungen litt, habe in einer persönlichen Ausnahmesituation etwas Außergewöhnliches und Großartiges vollbringen wollen, stellten die Richter in ihrem Urteil fest.

Er war im Juli 2013 auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn in die Maschine geklettert. Dann habe der Mann alle Startvorkehrungen getroffen, so das Gericht. Der Start habe nur deshalb nicht geklappt, weil das Flugzeug nach einer Wartung vom Strom abgeklemmt war. Der versuchte Eingriff in den Luftverkehr sei ein erhebliches Delikt, stellten die Richter fest. "Der Angeklagte hat keinerlei Krankheitseinsicht, fühlt sich topfit. Nicht behandelt wird sich seine Psychose aber weiterentwickeln", heißt es laut "Kölner Stadt-Anzeiger" in der Urteilsbegründung.

Der Mann leidet laut Gutachten an Schizophrenie und ist schuldunfähig. Auch die Staatsanwaltschaft hatte für die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus plädiert. Die Verteidigung hatte eine Unterbringung auf Bewährung beantragt. Der Anwalt kündigte Revision an.

Fast nackt war der 25-Jährige im Juli in das Flugzeug geklettert. Auf dem militärischen Teil des Köln/Bonner Flughafens sind die Maschinen der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums stationiert. Sie werden auch vom Bundespräsidenten, der Kanzlerin und den Bundesministern genutzt.

Der Gesundheitszustand des Mannes habe sich vor der Tat zunehmend verschlechtert, sagte der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer: Er fühlte sich gemobbt, wurde aggressiv, verlor den Bezug zur Realität. Die Eltern hätten keinen Ausweg gewusst, und ihren Sohn vor die Tür gesetzt. Später sei er auch bei der Freundin rausgeflogen und habe dann auf der Straße gestanden. Über eine benachbarte Kaserne sei der Mann zu dem Airbus der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums gelangt.

wit/dpa



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