Regis-Breitingen Weitere Jugendliche in Folterskandal verwickelt

Das Ausmaß des Folterskandals im Jugendgefängnis Regis-Breitingen ist größer als bislang angenommen: Wegen der Misshandlung eines Mitgefangenen hat die Staatsanwaltschaft Leipzig Anklage gegen neun Verdächtige erhoben. Bislang war nur von zwei mutmaßlichen Tätern die Rede gewesen.


Regis-Breitingen/Leipzig - In den Folterskandal im sächsischen Jugendgefängnis Regis-Breitingen nahe Leipzig sind mehr Häftlinge verwickelt als zunächst genannt. Am Montagnachmittag teilte die Staatsanwaltschaft Leipzig mit, dass gegen neun Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene Anklagen bei verschiedenen Gerichten eingereicht wurden.

Bisher standen zwei Häftlinge im Mittelpunkt, die zur Tatzeit 15 und 24 Jahre alt waren. Sie sollen vor einem Jahr einen damals 18-jährigen Mithäftling gequält und so verängstigt haben, dass er sich das Leben nehmen wollte. Das Landgericht Leipzig bestätigte am Montag den Eingang der Anklageschrift gegen die beiden jungen Männer.

Anhaltspunkte für strafrechtlich relevantes Verhalten von Bediensteten der Justizvollzugsanstalt gab es laut Staatsanwaltschaft nicht. Weitere Einzelheiten wollte ein Sprecher wegen des jugendlichen Alters des einen Angeklagten nicht mitteilen. Auch der Termin für die Hauptverhandlung sei noch nicht bestimmt und absehbar, hieß es.

Laut dem sächsischen Justizministerium waren die anderen Angeklagten in unterschiedlichem Maße an der Misshandlung beteiligt. Gegen sie wurden laut Staatsanwaltschaft im Dezember 2008 sowie im Mai und Juni dieses Jahres Anklagen an den Amtsgerichten Leipzig und Borna erhoben.

Das Justizministerium erklärte unterdessen, dass die Öffentlichkeit über den Vorfall von vor einem Jahr angesichts der Besonderheiten des Jugendstrafvollzugs nicht informiert worden war. Eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit habe zu keiner Zeit bestanden.

Den beiden Männern wird vorgeworfen, im Mai 2008 ihr Opfer im Jugendgefängnis Regis-Breitingen geschlagen zu haben. Anschließend sollen sie versucht haben, den 18-Jährigen zum Selbstmord zu treiben. Als dies nicht gelungen sei, hätten sie erfolglos versucht, ihr Opfer zu erdrosseln, erklärte das Gericht.

Laut einem Bericht des "Focus" vom Wochenende sollen die beiden den jungen Mann im Duschraum mit kochendem Wasser übergossen und mit einem Besenstiel geschlagen haben. Außerdem werde ihnen vorgeworfen, dem 18-Jährigen gemeinsam mit anderen Häftlingen ein Hackenkreuz und SS-Runen auf den Oberkörper gemalt zu haben. Zuvor sei das Opfer an einen Stuhl gefesselt worden. Dann hätten sie ihm damit gedroht, dass russische Häftlinge ihn auf grausame Art töten wollten und bereits ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt sei.

Aus Angst habe der Häftling versucht, sich in seiner Zelle zu erhängen, aber überlebt, berichtete das Magazin weiter. Daraufhin hätten ihn die Angeklagten mit einem Gürtel erdrosseln wollen. Das Opfer habe sich jedoch befreien und die Wächter alarmieren können.

In Regis-Breitingen wurden inzwischen Änderungen im Tagesablauf eingeführt. "Wir haben alles nochmal auf den Prüfstand gestellt", sagte die stellvertretende Anstaltsleiterin, Claudia Ramsdorf. Die Aufschluss-Zeiten, in denen sich die Insassen frei auf ihrem Stationsgelände frei bewegen können, seien verkürzt worden. Das Opfer der Quälerei wurde in eine andere Anstalt verlegt, ebenso wie einer der Peiniger.

Im November 2006 hatten drei Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Siegburg bei Bonn einen Mitgefangenen zu Tode gequält. Die Täter wurden inzwischen zu Haftstrafen zwischen zehn und 15 Jahren verurteilt.

han/dpa/AP



insgesamt 146 Beiträge
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Fritz Katzfuß 05.07.2009
1. Der Vollzug
muss humanisiert werden. Mehr Pschologen, Sozialarbeiter auch mehr Überwachung etc. aber durch Menschen. Kostet freilich.
jojocw, 05.07.2009
2. Mehr Personal ja aber ....
Zitat von Fritz Katzfußmuss humanisiert werden. Mehr Pschologen, Sozialarbeiter auch mehr Überwachung etc. aber durch Menschen. Kostet freilich.
Der Vollzug braucht tatsächlich mehr Personal. Aber Psychologen etc. eher weniger. Ich denke, man sollte Gewaltkriminelle von anderen unterscheiden. Vielleicht bräuchte man so was wie ein Zuchthaus. Denn sonst lernen es die Vielfachtäter nie.
Fabianochristo 05.07.2009
3.
Zitat von sysopSchockierender Vorfall in Sachsen: In einem Jugendgefängnis ist laut einem Magazinbericht ein 18-Jähriger fast zu Tode gefoltert worden. Wie können solche Fälle verhindert werden?
Auf jeden Fall Maßnahmen, die so etwas unmöglich machen. Ich frage mich, wieso diese Leute im Knast so viel Freiheit haben. Es sollte eine permanente Überwachung durch Wachpersonal und Kameras geben. Wie kann es z.B. sein, dass die Leute beim duschen gequält werden können? (da fehlt es offensichtlich an Überwachung).
Realo, 05.07.2009
4. Nichts !
Vielleicht überlegen sich Jugendliche dann eher ob sie kriminell werden ? Knast sollte Knast bleiben und kein Wellness-Urlaub sein.
Zephira 05.07.2009
5. Gewollt
Zitat von sysopSchockierender Vorfall in Sachsen: In einem Jugendgefängnis ist laut einem Magazinbericht ein 18-Jähriger fast zu Tode gefoltert worden. Wie können solche Fälle verhindert werden?
Die Gewalt zwischen Häftlingen ist gewollt. Sie wird als Teil der Bestrafung angesehen. Der Staat betreibt sogar aktiv Abschreckungswerbung damit (siehe GEZ-Spot). Wenn das deutsche Volk mit den Zuständen in diesen Lagern nicht voll und ganz einverstanden wäre, würde es politischen Druck ausüben und die Bedingungen würden geändert werden.
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