Tod im Sportwagen 25-Jährigem dreimal in den Kopf geschossen – Bundesgerichtshof erkennt keinen Mord

Wann ist ein Tötungsdelikt auch ein Mord? Der Bundesgerichtshof hat ein Urteil aus München nun gekippt und zurück ans Landgericht verwiesen.
Gerichtsgebäude in München: Als sein Opfer eine Bewegung machte, will der Mann Angst bekommen und geschossen haben

Gerichtsgebäude in München: Als sein Opfer eine Bewegung machte, will der Mann Angst bekommen und geschossen haben

Foto: Matthias Balk / dpa

Ein Mann, Mitte 20, steigt mit einer scharfen Waffe zu jemand anderem in den Sportwagen. Als der Streit eskaliert, schießt er seinem Opfer dreimal in den Kopf. Aber ist er deshalb auch ein Mörder? Der Bundesgerichtshof (BGH) befand in einem Fall aus Bayern nun: nein, denn der Mann habe – anders als vom Landgericht München entschieden – nicht heimtückisch gehandelt.

Entsprechend hat der BGH das Urteil gegen den wegen Mordes verurteilten Münchner aufgehoben. Das Gericht gab der Revision des Angeklagten statt und wandelte den Schuldspruch von Mord zu Totschlag ab. »Der Schuldspruch wegen Mordes hat keinen Bestand«, heißt es in dem Beschluss vom 18. November, den der BGH erst jetzt veröffentlichte .

In neuem Prozess geht es wohl nur noch ums Strafmaß

Der BGH verwies den Fall zur erneuten Verhandlung zurück an eine andere Kammer des Landgerichts München I. Dort wird es wohl nicht mehr um den Schuldspruch, sondern nur noch um das Strafmaß gehen, das bei Totschlag fünf bis 15 Jahre und nur in besonders schweren Fällen lebenslang betragen kann. Bezüglich der Höhe muss das Gericht nach BGH-Angaben beispielsweise prüfen, ob es neue Einträge im Bundeszentralregister gibt oder sich die Lebenssituation des Mannes geändert hat.

»Das Landgericht hat zwar rechtsfehlerfrei angenommen, dass die Tat des Angeklagten weder gerechtfertigt war noch entschuldigt ist«, heißt es in dem Beschluss. »Es hat die Tatbegehung des Angeklagten aber rechtsfehlerhaft als heimtückisch (...) angesehen.«

Die damalige Kammer hatte die Tat dagegen als heimtückisch eingestuft. Das heißt, der Mann müsste die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausgenutzt haben. Im Prozess vor dem Landgericht hatte der Schütze ausgesagt, er habe sein Opfer beeindrucken wollen und sei deshalb mit der Waffe in dessen Sportauto gestiegen. Als der Mann eine Bewegung machte, habe er Angst bekommen und geschossen. »Ich bereue zutiefst, was ich getan habe«, erklärte er.

Die Anwältin des jungen Mannes, Daniela Gabler, sagte der »Süddeutschen Zeitung«, sie gehe davon aus, dass nicht alles wieder von vorn aufgerollt werde. Gegenstand im neuen Prozess werde mit ziemlicher Sicherheit nur noch das Strafmaß sein. Alle anderen Festsetzungen hätten Bestand.

Das Landgericht München I hatte den Angeklagten im Juni vergangenen Jahres zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem wurde die Unterbringung in einer Suchtklinik angeordnet.

Flucht im Lieferwagen aus Gefängnis Stadelheim

Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der beim Urteil 24 Jahre alte Mann im März 2020 einen 25-Jährigen in dessen Auto erschossen hat. Der Täter soll Schulden in Höhe von 8000 Euro bei ihm gehabt haben. Eine Passantin hatte die blutige Leiche des Mannes in einem am Straßenrand geparkten Sportwagen entdeckt.

Vor seinem Prozess hatte der junge Mann auch mit einer spektakulären Flucht aus seiner Untersuchungshaft in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim Schlagzeilen gemacht. Er hatte sich in einem Lieferwagen versteckt, wurde aber noch am selben Tag wieder festgenommen.

apr/dpa