Iranerin Reyhaneh Jabbari Letztes Gnadengesuch offenbar abgelehnt

Sie hat ihren Vergewaltiger getötet und soll nun hingerichtet werden: Reyhaneh Jabbaris Schicksal hat international Empörung ausgelöst. Nach SPIEGEL ONLINE-Informationen schaltet sich jetzt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ein.

Reyhaneh Jabbari vor Gericht (Foto von 2008): Martin Schulz fordert Irans Parlament zum Handeln auf
AFP

Reyhaneh Jabbari vor Gericht (Foto von 2008): Martin Schulz fordert Irans Parlament zum Handeln auf

Von Gesa Mayr


Teheran/Hamburg - Der Druck auf Irans Regierung steigt: Der Präsident des Europäischen Parlaments hat sich im Fall der zum Tode verurteilten Reyhaneh Jabbari für eine Wiederaufnahme des Verfahrens ausgesprochen. In einem Brief, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, an den iranischen Parlamentschef Ali Laridschani äußerte Martin Schulz "große Sorge".

Er habe mehrere Hinweise erhalten, wonach Reyhaneh Jabbari keinen fairen Prozess bekommen habe, heißt es in dem Dokument, das auf den 8. Oktober datiert ist.

Vor dem Hintergrund der positiven Beziehungen zwischen Iran und der EU forderte Schulz seine Kollegen auf, alle nötigen Schritte zu unternehmen, um Jabbari ein faires Wiederaufnahmeverfahren zu gewährleisten - unter Ausschluss der Todesstrafe.

Seit sieben Jahren sitzt die 26 Jahre alte Jabbari wegen Mordes an einem ehemaligen Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes in der Todeszelle. Die junge Frau hatte auf Notwehr plädiert: Morteza Abdolali Sarbandi habe sie angegriffen und vergewaltigen wollen.

Nachdem ihr Schicksal international Proteste auslöste, war die Hinrichtung Jabbaris zuletzt immer wieder verschoben worden. Ein letztes Gnadengesuch der 26-Jährigen wurde offenbar abgelehnt. Dies berichtet Fariborz Jabbari, der Onkel der Todeskandidatin, SPIEGEL ONLINE.

Onkel berichtet von abgeschmetterten Gnadengesuch

Ihm zufolge hat es ein Treffen zwischen Reyhaneh Jabbari und der Familie des Toten gegeben. Nach iranischem Recht der "Kisas", dem Vergeltungsgesetz nach dem Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn, kann sie Reyhaneh begnadigen. Doch offenbar bestehen die Sarbandis darauf, dass die Verurteilte den Vorwurf der Vergewaltigung zurücknimmt, um die Ehre des Getöteten wiederherzustellen.

"Reyhaneh sagt, sie wird nicht lügen, auch wenn sie mit ihrem Leben dafür bezahlen muss", sagt Fariborz Jabbari. Auch ein Gnadengesuch der Mutter, Shole Pakravan, habe die Familie Sarbandi abgeschmettert. "Für meine Nichte herrscht nun akute Lebensgefahr", sagt Fariborz Jabbari. Die Hinrichtung von Reyhaneh könne vielleicht schon kommende Woche stattfinden.

Die Autorin auf Twitter:

Todestrafe weltweit: Urteile und Hinrichtungen 2013
Sie können auf die eingefärbten Länder klicken, um mehr über die Situation in den jeweiligen Staaten zu erfahren.

Anmerkung: Folgende Länder, die die Todesstrafe anwenden, werden nicht dargestellt: Antigua und Barbuda, Barbados, Dominica, die Malediven, die Komoren, St. Kitts und Nevis, St. Vincent und die Grenadinen, Singapur und Tonga. Auf Barbados wurde 2013 eine Person zum Tode verurteilt.

insgesamt 10 Beiträge
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steueragent 15.10.2014
1. Ich würde 50 Euro geben.
Bei rund zehntausend Mitstreitern kämen somit 500.000 Euro zusammen, die man der Familie des Getöteten als Entschädigung anbieten könnte. Somit würden sie evt. dem Gnadengesuch zustimmen. Wer kann so etwas organisieren? Nur so eine Idee von mir.
Ronnyrichard 15.10.2014
2. Notwehr war doch nicht auszuschließen!
Allein deshalb hätte kein Todesurteil verhängt werden dürfen!
slava grof 15.10.2014
3. Ich würde 50 Euro geben.
ich auch
spon-facebook-10000494577 15.10.2014
4. Ich würde 50 Euro geben.
@steueragent (1. Post) Gute Idee - ich ebenfalls!
darthmax 15.10.2014
5. 50 €
ich auch
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