Nach Flutkatastrophe im Ahrtal Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungsverfahren gegen Landrat von Ahrweiler ein

Es geht unter anderem um den Verdacht der fahrlässigen Tötung: Nach der Flutkatastrophe ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz gegen den Landrat des Kreises Ahrweiler – und gegen einen weiteren Beschuldigten.
Flutschäden in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Flutschäden in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Foto: Thomas Frey / dpa

Nach dem verheerenden Hochwasser in Rheinland-Pfalz wird gegen den Landrat des Kreises Ahrweiler ermittelt. Wie die Staatsanwaltschaft Koblenz mitteilte , stehe der Verdacht der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen im Raum.

Man habe versucht, die Ereignisse am 14. und 15. Juli nachzuvollziehen, heißt es in der Mitteilung. Dabei hätten sich »zureichende tatsächliche Anhaltspunkte« dafür ergeben, dass ab dem Abend des 14. Juli gegen 20.20 Uhr »Gefahrenwarnungen und möglicherweise auch die Evakuierung von Bewohnern des Ahrtals, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht von der Flutwelle betroffen waren, geboten gewesen wären«.

Dies sei aber in einer »womöglich als fahrlässig vorwerfbaren Begehungsweise« offenbar nicht passiert. Der Anfangsverdacht sei weiter, dass das Unterlassen »(mit)ursächlich« für einen Teil der Todesfälle gewesen sei. Dies habe sich auch aus einer Auswertung der Todesfälle ergeben, die sich ahrabwärts von Ahrbrück aus mit einem großen Schwerpunkt in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ereignet hätten.

Neben dem Landrat des Kreises Ahrweiler richte sich das Ermittlungsverfahren auch gegen ein weiteres Mitglied des Krisenstabs, das laut Staatsanwaltschaft die Einsatzleitung zumindest zeitweise übernommen hatte.

Staatsanwaltschaft rechnet nicht mit schnellen Ermittlungsergebnissen

Im Zuge der Ermittlungen wurden nun Unterlagen und Daten des Krisenstabs des Landkreises Ahrweiler sowie die persönlichen Kommunikationsmittel beider Beschuldigter sichergestellt. Diese würden nun ausgewertet. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt in Koblenz wollen am Nachmittag in einer Pressekonferenz weiter über die geplanten Ermittlungen informieren. Mit schnellen Ergebnissen sei jedoch nicht zu rechnen.

DER SPIEGEL

Die Staatsanwaltschaft wies explizit darauf hin, dass es sich derzeit lediglich um einen Anfangsverdacht handle. Diese beruhe »naturgemäß auf einer mit Unsicherheiten und Lücken behafteten Erkenntnislage«. Es gelte die Unschuldsvermutung.

141 Tote und 766 Verletzte nur in Rheinland-Pfalz

Extreme Starkregenfälle hatten vor drei Wochen verheerende Überschwemmungen an Flüssen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgelöst. Viele Gemeinden, insbesondere im Ahrtal, wurden verwüstet. In Rheinland-Pfalz kamen mindestens 141 Menschen ums Leben. 16 weitere werden noch immer vermisst. Die Einsatzleitung zählte insgesamt 766 Verletzte.

fek
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