Prozess gegen Massenmörder Richterin stoppt Breiviks Abschlussworte

Am Ende wollte Anders Breivik ein letztes Mal die große Bühne im Gericht nutzen - doch die Richterin stoppte eine weitere Tirade des Attentäters. Wenche Elisabeth Arntzen schnitt dem Massenmörder das Wort ab, nur sein Verteidiger durfte für ihn sprechen.

AFP

Oslo - Anders Breivik sollte nur auf die Frage antworten, ob er seine Verurteilung durch ein Osloer Gericht anfechten wolle. Doch der Attentäter hatte andere Pläne. "Ich erkenne das Gericht nicht an", sagte er auf die Frage von Richterin Wenche Elisabeth Arntzen. Daher könne er den Richterspruch weder akzeptieren noch in Berufung gehen.

Breivik setzte dann zu einer Entschuldigung bei militanten Nationalisten an, ehe ihm die Richterin das Wort abschnitt. Laut der Nachrichtenagentur AP sagte Breivik, es tue ihm leid, dass er nicht mehr Menschen habe töten können. Weiter kam er nicht. Nur Verteidiger Geir Lippestad durfte anschließend auf die Frage des Gerichts antworten. Der Anwalt sagte, Breivik werde das Urteil nicht anfechten.

Auch die Staatsanwaltschaft verzichtet offenbar auf eine Berufung. Die Beweisführung sei gründlich gewesen, es gebe keinen Grund, den Fall weiterzutragen, sagte Ankläger Svein Holden nach Ende der Verhandlung. Zuvor im Gerichtssaal hatte er noch um Bedenkzeit für eine Entscheidung gebeten.

Bevor Breivik den Gerichtssaal verließ, zeigte er erneut die geballte Faust - mit dieser Geste hatte er schon bei vorangegangenen Prozesstagen Überlebende und Angehörige von Opfern provoziert.

Das Gericht hatte den Attentäter am Vormittag zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit Sicherungsverwahrung verurteilt. Die Entscheidung fiel einstimmig, die Richter befanden Breivik für zurechnungsfähig. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert, weshalb das Urteil als Niederlage für die Anklage interpretiert werden kann.

Die Urteilsbegründung umfasste 90 Seiten, Richterin Arntzen und ihr Kollege Arne Lyng wechselten sich bei der Verlesung ab. Sie dauerte mit Unterbrechungen mehr als sieben Stunden.

ulz/hut/dpa/AP



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Ursprung 24.08.2012
1. Keine weitere Buehnen
Zitat von sysopAFPAm Ende wollte Anders Breivik ein letztes Mal die große Bühne nutzen - doch die Richterin verhinderte eine weitere Tirade des Attentäters. Wenche Elisabeth Arntzen schnitt dem Massenmörder das Wort ab, nur sein Verteidiger durfte für ihn sprechen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,851978,00.html
Ein richtiges Urteil und richtiges Verhalten dem Verurteilten gegenueber. Warum soll eine so gute Richterin dem uebersteigerten Geltungsbeduerfnis eines Schuldigen noch eine Buehne verschaffen? Breiviks game is over. Weitere Buehnen sind zur Wahrheitsfindung unnoetig. Sie ist nun festgestellt.
friedenspfeife 24.08.2012
2. Das muessen aber lange Unterbrechungen
gewesen sein, wenn zwei Leuten "gelingt" 90 Seiten in SIEBEN Stunden zu verlesen. Oder der Text war so verklausuliert, das die selbst nach jeder Zeile den Ueberblick verloren haben. Ich habe frueher 90 Seiten aus dem Buch "Mann ohne Eigenschaften" von Musil locker in 2 Stunden durchgelesen.
bionokia 24.08.2012
3. so ein Mensch kann nur krank sein
kein so richtig annehmbares Urteil, gerade von Nationen, die immer und ewig China und Russland in die Urteile reden und mitbestimmen wollen. Das ist eindeutig ein kranker Mann und bisher fand ich gut dass sein Name und Mitteilungen von ihm "öffentlich verschluckt" werden. Das Urteil selbst ist eine Blamage (?rechtschreibung?) für die "freien" "westlichen" Länder. Sehr peinlich sogar. Man kann einem Täter dann wohl Öffentlichkeit absprechen um Nachahmer zu vermeiden, jedoch die Krankheit das geht dann doch nicht. Und so ein Mensch ist echt Krank auch wenn die freiheitliche Welt sich nicht trau das anzuerkennen um ihn zu Heilen zu müssen.
thro 24.08.2012
4. optional
Spätestens jetzt dürfte es auch der Rest der Welt wissen. Hier in Norwegen gibt es auch die anschliessende Sicherheitsverwahrung. Der Breivik kommt nie mehr raus. 21 Jahre Einzelhaft und dann Sicherheitsverwahrung. Die wird dann jeweils gerichtlich um 5 Jahre verlängert. Das hängt vom Gefährlichkeitsgrad ab. In 21 Jahren ist der Mann erst ca. 52 und damit immer noch hoch gefährlich. Wenn der jemals rauskommt, dann wohl als Tattergreis.
martina.scheuren 24.08.2012
5. 20 Jahre mit anschließender Sicherungsverwahrung
Zitat von sysopAFPAm Ende wollte Anders Breivik ein letztes Mal die große Bühne nutzen - doch die Richterin verhinderte eine weitere Tirade des Attentäters. Wenche Elisabeth Arntzen schnitt dem Massenmörder das Wort ab, nur sein Verteidiger durfte für ihn sprechen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,851978,00.html
Was heißt das? Die Rechtssprechung im hohen Norden unterscheidet sich offensichtlich nicht viel von der bei uns. Gibt es tatsächlich in irgendeinem europäischen Land noch so etwas wie 'lebenslänglich', dass tatsächlich bedeutet, dass dieser Mensch NIE, NIE, NIE wieder frei gelassen wird? Es bedeutet natürlich nicht, dass er nie wieder töten wird. Gefängnisse sind voll von Tötungsdelikten, die dann wieder erneut verhandelt werden müssen. Man möchte den Mann (den als 'Mann' zu bezeichnen mir ein wenig schwer fällt, weil er so nichts von dem hat, was ich als männliche Attribute schätze), irgendwie verstehen. Nein, eigentlich möchte ich IHN nicht verstehen. Das WARUM. Kann ein denkender Mensch tatsächlich glauben, er ÄNDERE etwas zu irgendetwas Besserem, indem er Kinder tötet? Die waren hier ja kein Kollateralschaden, den rücksichtslose Regierungstruppen oder Revolutionsarmeen in Kauf nehmen, sondern ZIEL. Ein Urteil. 20 Jahre mit anschließender Sicherheitsverwahrung. 'Lebenslänglich' hätte besser geklungen, weniger bedeutet In 10 Jahren kann sich der Mörder zum ersten Mal um eine Bewährung bewerben.
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