Mutmaßliche Vergewaltigungen in Neuseeland Ministerin ordnet interne Ermittlungen bei der Polizei an

Neuseeland empört sich über den Fall der "Roast Busters": Eine Gruppe Jugendlicher rühmte sich im Netz wegen Sex mit betrunkenen Mädchen. Obwohl Betroffene aussagten, ging die Polizei bisher nicht gegen die Teenager vor. Die Regierung will die Arbeit der Ermittler nun überprüfen lassen.


Hamburg - Im Fall der "Roast Busters" ist die neuseeländische Polizei stärker unter Druck geraten. Eine Gruppe Jugendlicher hatte sich im Netz gerühmt, mit betrunkenen, teilweise minderjährigen Mädchen Sex gehabt zu haben. Obwohl es offenbar mehrere Beschwerden und auch eine offizielle Anzeige gab, ging die Polizei bisher nicht gegen die Jugendlichen vor.

Nun hat Polizeiministerin Anne Tolley eine interne Untersuchung angeordnet. Hintergrund ist vor allem die Vernehmung einer heute 15-Jährigen. Das Mädchen hatte der Polizei im Dezember 2011 von einer mutmaßlichen Vergewaltigung durch drei Mitglieder der "Roast Busters" berichtet (mehr zu dem Fall lesen Sie hier).

In einem Interview mit dem Fernsehsender 3 News gab sie an, damals nicht ernst genommen worden zu sein. Sie sei von Ermittlern nach ihrer Kleidung am betreffenden Tag gefragt worden und warum sie überhaupt mit der Gruppe ausgegangen sei. Es habe die Unterstellung im Raum gestanden, sie hätte eine Vergewaltigung geradezu herausgefordert.

Die Polizei hatte mitgeteilt, man habe den Vorwurf damals gründlich geprüft und entschieden, dass die Beweise nicht für eine strafrechtliche Verfolgung ausreichten. Inzwischen räumte der zuständige Polizeichef ein, dass es sich bei der Aussage des Mädchens entgegen früheren Angaben wohl um eine offizielle Anzeige gehandelt habe. Nach der Enthüllung des Falles hatte die Polizei mitgeteilt, die mutmaßlichen Opfer seien nicht bereit gewesen auszusagen.

Die Arbeit der Polizei sei "ehrlich gesagt nicht gut genug" gewesen, sagte Premierminister John Key vor dem Parlament. Er sei enttäuscht, dass die Minister seiner Regierung Details zu dem Fall aus den Medien erfahren hätten, anstatt umfassend von der Polizei informiert zu werden. Vor allem aber sei es wichtig, dass die Ermittler den Vorwürfen sorgfältig nachgingen und die mutmaßlichen Opfer entsprechend unterstützt würden.

Polizeiministerin Tolley sagte, sie wäre "sehr enttäuscht", sollte sich herausstellen, dass die Polizei nicht streng nach Vorschrift vorgegangen ist. Gleichzeitig warnte die Ministerin vor voreiligen Schlüssen. "Die Polizei hat genaue Regeln, was die Befragung von mutmaßlichen Opfern sexueller Gewalt angeht. Ich erwarte, dass die Beamten diese einhalten."

hut/AFP



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