Rockerkriminalität Hells-Angels-Boss setzt Staranwalt auf Polizisten an

Post aus dem Milieu: Der Hannoversche Hells-Angels-Anführer Frank H. wehrt sich mit Hilfe eines Staranwalts gegen Interviewäußerungen eines niedersächsischen Sonderermittlers. Auch kritische Journalisten bekommen inzwischen unfreundliche Briefe von dem Rocker.

Hamburg - "Gewalt", hat ein führender Höllenengel namens Rudolf "Django" T. einmal gesagt, "ist für mich unabänderlich ein Teil der menschlichen Natur." In Hannover jedoch beweisen seine Hells-Angels-Brüder zurzeit, dass ihre Gefährlichkeit nicht nur von aufgepumpten Oberarmen ausgeht. Zwischen Steintor und Maschsee vertrauen die angeblich so "Gesetzlosen" neuerdings auch auf das Gesetz - soweit es ihnen denn zum Vorteil gereicht.

So flatterte dem Rocker-Sonderermittler des niedersächsischen Landeskriminalamts (LKA), Volker Kluwe, Anfang Juli ein Schreiben des Hannoverschen Staranwalts Götz-Werner von Fromberg ins Haus. Darin übermittelte der Jurist, der sich ein Büro mit Altkanzler Gerhard Schröder teilt, die Verärgerung des örtlichen Hells-Angels-Präsidenten Frank H. Der fast zwei Meter große, kahlköpfige Ex-Boxer sei unzufrieden mit einigen öffentlichen Äußerungen seines verbeamteten Gegenspielers.

Kluwe hatte im Juni in Interviews mit dem "Hamburger Abendblatt" und der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" vor den Entwicklungen in der Hannoverschen Rockerszene gewarnt. Den Hells Angels sei es in einem "Drei-Phasen-Modell" gelungen, tief in die Wirtschaftsstruktur der niedersächsischen Landeshauptstadt einzudringen. Dort verdienten sie nun unter anderem als Immobilienkaufleute, Sicherheitsunternehmer und Getränkevertreiber viel Geld. SPIEGEL ONLINE hatte diese Vorgänge bereits im Dezember 2008 beschrieben.

"Reine Organisierte Kriminalität"

Trotz ihrer legalen Geschäfte sei es "reine Organisierte Kriminalität", der die Hells Angels nachgingen, sagte der Leitende Kriminaldirektor Kluwe dem "Abendblatt". Und ergänzte eine Woche später in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", dass es für die Polizei zugleich immer schwieriger werde, den inzwischen im Geschäftsleben etablierten Rockern Straftaten nachzuweisen.

Das hatte Folgen - und Angels-Boss Frank H. ließ seinen besten Mann auf den Polizisten los: "Wenn man davon ausgeht, dass Sie eine Ermittlungsgruppe mit acht Beamten führen", schrieb Jurist von Fromberg an Kluwe, "kann mein Mandant erwarten, dass Sie für Ihre wörtlich zitierte Behauptung einen Wahrheitsbeweis antreten."

Es sei ihm jedoch kein Verfahren bekannt, in dem H. vorgeworfen worden sei, zur Organisierten Kriminalität zu gehören. Daher sei "völlig klar, dass sich Herr H. die diffamierenden und geschäftsschädigenden Äußerungen nicht länger gefallen lässt". Großzügig bot das Duo aus Rocker und Rechtsanwalt sodann dem Ermittler ein Gespräch an, für das man natürlich gerne zur Verfügung stehe.

Beispielloses Schreiben

Die Beamten waren ob dieses beispiellosen Schreibens verdutzt. Derartig viel Chuzpe hätten sie noch nicht einmal dem örtlichen Höllenengel-Anführer zugetraut. Ein LKA-Sprecher teilte auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mit: Ja, es habe einen solchen Brief gegeben, in dem "einzelne Inhalte der zitierten Veröffentlichungen aus Sicht der Hells Angels dargestellt" werden. Nähere Angaben zu der Sache wollte der Beamte allerdings nicht machen.

Rechtsanwalt Götz-Werner von Fromberg war indes gesprächiger: "Das Landeskriminalamt soll wissen, dass mein Mandant es nicht länger hinnehmen wird, fortwährend in die Nähe der Organisierten Kriminalität gerückt zu werden", sagte der Jurist SPIEGEL ONLINE. "Da werden wider besseres Wissen Tatsachen behauptet, die so nicht zutreffen." Frank H. behalte sich daher weitere juristische Schritte gegen das LKA vor.

Gegen die Presse lässt Rockerkönig H. hingegen schon jetzt aufmarschieren. Der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" schickte er via Medienanwalt Begehren auf Unterlassung ins Haus. Das Blatt widersprach denen inzwischen und will in der Sache vor das örtliche Landgericht ziehen. Dort gibt es auch schon ein vorläufiges Aktenzeichen: 68 Ar 555/09.

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