Artikel über angebliche Vergewaltigung Uni-Absolventen verklagen "Rolling Stone"

"Eine Vergewaltigung auf dem Campus": Das war der Titel eines Artikels im "Rolling Stone". Drei Uni-Absolventen aus Virginia klagen jetzt gegen das US-Magazin, sie fühlen sich diffamiert.

Universität von Virginia: Wirbel um "Rolling Stone"-Artikel
AFP

Universität von Virginia: Wirbel um "Rolling Stone"-Artikel


Es geht um Verleumdung: Drei Absolventen der Universität von Virginia haben Klage gegen das US-Magazin "Rolling Stone", den Verlag Wenner Media und eine Journalistin eingereicht. Grund ist ein Artikel der Zeitschrift, der eine vermeintliche Gruppenvergewaltigung auf einer Party beschreibt, die angeblich Teil eines Initiationsrituals der Studentenverbindung Phi Kappa Psi gewesen sein soll.

Die drei Kläger, alle Mitglieder der Verbindung, werfen dem "Rolling Stone" Nachlässigkeiten vor. Sie verlangen jeweils 75.000 Dollar Schadensersatz wegen Diffamierung und emotionalen Stresses, dem sie ausgesetzt gewesen seien. Einer der Absolventen wohnte Gerichtsdokumenten zufolge in dem Raum, in dem sich die Tat angeblich ereignet haben soll.

Aus der Klage geht hervor, dass die drei jungen Männer aufgrund der Angaben im Artikel leicht zu identifizieren gewesen seien. Ihre Namen würden daher "für immer mit dieser angeblichen Gruppenvergewaltigung in Verbindung gebracht". Der Text habe "verheerende Auswirkungen auf den Ruf" seiner Mandanten gehabt, schrieb der Anwalt der Uni-Absolventen.

"Vermeidbares journalistisches Versagen"

Unter der Überschrift "A Rape on Campus" ("Eine Vergewaltigung auf dem Campus") hatte der "Rolling Stone" im vergangenen November die angebliche Vergewaltigung einer jungen Frau, die nur "Jackie" genannt wird, veröffentlicht. Der Artikel stützte sich im Wesentlichen auf Jackies Angaben über den Abend im September 2012 an der Universität in Charlottesville.

Angesichts offenkundiger Ungereimtheiten entschuldigte sich der "Rolling Stone" jedoch schon am 5. Dezember. Die renommierte Journalismus-Fakultät der Columbia-Universität prüfte den Text. Ihr Bericht bezeichnete "A Rape on Campus" als "vermeidbares journalistisches Versagen". Auch mehrmonatige Ermittlungen der Polizei ergaben keine Anzeichen dafür, dass Jackie vergewaltigt wurde.

wit/AP/Reuters



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