"Intrige"-Regisseur Neuer Vergewaltigungsvorwurf gegen Roman Polanski

Eine weitere schwere Anschuldigung überschattet Roman Polanskis neuen Film "Intrige": Die Französin Valentine Monnier wirft dem umstrittenen Regisseur vor, sie 1975 vergewaltigt zu haben.

Kurz vor dem französischen Kinostart von "Intrige" ist Roman Polanski mit einem neuen Vorwurf der Vergewaltigung konfrontiert
Loic Venance/ AFP

Kurz vor dem französischen Kinostart von "Intrige" ist Roman Polanski mit einem neuen Vorwurf der Vergewaltigung konfrontiert


Die Französin Valentine Monnier hat Oscarpreisträger Roman Polanski vorgeworfen, sie 1975 während eines gemeinsamen Skiurlaubs in Gstaad, Schweiz, vergewaltigt zu haben. Monnier war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt, Polanski 42. Die Pariser Zeitung "Le Parisien" berichtete am Freitag zuerst über Monniers Vorwurf. Über seinen Anwalt Hervé Temine hat Polanski der Zeitung ausrichten lassen, dass er den Vorwurf entschieden zurückweise.

Laut Monnier hatte sie eine Freundin zu dem Urlaub in der Schweiz eingeladen, der auch den Aufenthalt in Polanskis Chalet beinhaltete. Nach einer abendlichen Abfahrt, berichtet Monnier, seien sie und Polanski in das Haus zurückgekommen, um sich umzuziehen. Polanski hätte sie dann zu sich in seine Zimmer gerufen, wo er sie nackt erwartet hätte. Als nächstes hätte er sie geschlagen, ihre Kleider entfernt, versucht, ihr eine Pille zu verabreichen und sie schließlich vergewaltigt.

Monnier habe danach um ihr Leben gefürchtet, weil Polanski es nicht riskieren konnte, dass der Vorfall bekannt würde, so die heute 62-Jährige. Gleichwohl habe er sich sofort danach entschuldigt und auch geweint. Polanski wurde zwei Jahre später der Vergewaltigung der damals 13-jährigen Samantha Geimer in den USA bezichtigt.

Plötzlich wieder Preise

Zu den Vorwürfen gehörte, dass er der Minderjährigen Champagner und das Betäubungsmittel Quaalude verabreicht habe, bevor er sie anal, oral und vaginal vergewaltigt habe. Polanski bekannte sich damals des "außerehelichen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen" schuldig. Bevor ein Urteil gesprochen werden konnte, floh er jedoch nach Frankreich, wo er seitdem hauptsächlich wohnt.

Polanskis Karriere verlief seitdem sehr wechselhaft. Nach dem Erfolg seines Holocaust-Dramas "Der Pianist" von 2003 schien er zunächst wieder rehabilitiert, bevor im Rahmen der #MeToo-Debatte sowohl der Fall Geimer als auch jüngere Vorwürfe der Belästigung und Vergewaltigung gegen Polanski mit neuer Vehemenz aufgegriffen wurden. 2017 warf ihm die ehemalige deutsche Schauspielerin Renate Langer vor, sie 1972 im Alter von 15 Jahren ebenfalls in seinem Chalet in Gstaad vergewaltigt zu haben.

Die Oscar-Academy schloss Polanski 2018 in Folge der Diskussionen aus, sein Einspruch gegen die Entscheidung wurde abgelehnt.

2019 schien nun ein weiteres Comeback von Polanski anzustehen: Sein neuer Film "J'accuse" über die Dreyfus-Affäre wurde in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig eingeladen und dort mit dem Silbernen Löwen, dem zweiten Hauptpreis, ausgezeichnet. Beim Europäischen Filmpreis wurde der Film soeben für vier Preise nominiert, darunter als Bester Film sowie Polanski als bester Regisseur und Drehbuchautor. In Deutschland wird der Verleih Weltkino den Film unter dem Titel "Intrige" am 6. Februar 2020 in die Kinos bringen.

"Vergewaltigung ist eine Zeitbombe"

Polanskis Anwalt Temine drückte gegenüber "Le Parisien" seine Missbilligung aus, dass Monniers Vorwurf kurz vor dem französischen Kinostart von "J'accuse" publik gemacht worden ist. Monnier sagt, sie hätte seit zwei Jahren verschiedene Personen und Instanzen in der Sache angeschrieben, darunter die Polizei von Los Angeles, Präsidentengattin Brigitte Macron und Marlène Schiappa, Staatssekretärin für Geschlechtergerechtigkeit in der französischen Regierung.

An die Medien habe sie sich schließlich gewandt, als sie von Polanskis neuem Film erfuhr, da die Berichterstattung zu "J'accuse" ihre "traumatischen Erinnerungen" wiederbelebt hätte: "Vergewaltigung ist eine Zeitbombe", so Monnier. In dem Film greift Polanski die berüchtigte Dreyfus-Affäre auf, in deren Zuge der jüdische Offizier Alfred Dreyfus fälschlicherweise wegen Verrats verurteilt wurde.

In Interviews hatte Polanski Parallelen zwischen sich und Dreyfus gezogen, da er sich einer ähnlichen Hetzjagd ausgesetzt sehe. "Ist es haltbar, unter dem Vorwand eines Films, unter dem Schutz der Geschichte, 'J'accuse' von dem Mann zu hören, der dich wie mit Eisen markiert hat", zitiert nun "Le Parisien" Monnier, "ist es einem als Opfer damit verboten, Anschuldigungen vorzubringen?"

hpi/AP



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