Vorwurf der Vergewaltigung Polen rollt Auslieferungsverfahren gegen Polanski wieder auf

Polen will gegen eine Gerichtsentscheidung vorgehen, wonach Roman Polanski nicht an die USA ausgeliefert wird. US-Behörden werfen dem Regisseur vor, 1977 eine 13-Jährige vergewaltigt zu haben.

Roman Polanski
imago/ Eastnews

Roman Polanski


Der Rechtsstreit über die Auslieferung Roman Polanskis von Polen an die USA geht weiter. Polen will eine Gerichtsentscheidung anfechten, wonach der Regisseur nicht ausgeliefert werden soll. Das kündigte Justizminister Zbigniew Ziobro im Rundfunk an. Man werde entsprechende Unterlagen beim Obersten Gericht in Warschau einreichen.

Die US-Justiz wirft Polanski vor, 1977 die damals 13-jährige Samantha Geimer vergewaltigt zu haben. Polanski, inzwischen 82 Jahre alt, lebt in Paris, hat aber auch in Krakau eine Wohnung.

Im Oktober 2015 hatte ein Bezirksgericht in Krakau die von der US-Justiz beantragte Auslieferung abgelehnt. Der Richter hielt die Forderung für unzulässig, weil Polanski einst mit der US-Staatsanwaltschaft eine Einigung geschlossen habe. Die Anwälte des Regisseurs hatten in dem Verfahren betont, dass Polanski seinen Teil der Vereinbarung eingehalten und freiwillig eine Gefängnisstrafe verbüßt habe.

Polanski hatte nach seiner Festnahme in den USA gestanden, Sex mit der Minderjährigen gehabt zu haben. Nach 42 Tagen im Gefängnis nutzte er seine vorläufige Freilassung kurz vor Verkündung des Strafmaßes zur Flucht nach Europa: Er hatte gefürchtet, dass die Strafe trotz einer Übereinkunft mit der Anklage höher als vereinbart ausfallen würde.

Seitdem beschäftigt der Fall immer wieder die Gerichte. Der Filmemacher war 2009 auf US-Anweisung in Zürich festgenommen worden. Anschließend stand er in seinem Chalet im Schweizer Skiort Gstaad unter Hausarrest, bis ihn die Behörden nach rund zehn Monaten wegen Unklarheiten im Auslieferungsgesuch wieder freiließen.

Geimer ist inzwischen verheiratet und hat Kinder. Sie hat gefordert, das Verfahren einzustellen. Polanski stelle keine Bedrohung mehr dar.

ulz/Reuters/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.