Ermordung von Hanns Martin Schleyer Ex-RAF-Terroristin bittet Schleyer-Sohn um Entschuldigung

40 Jahre nach der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer hat die frühere RAF-Terroristin Silke Maier-Witt die Angehörigen um Verzeihung gebeten. Sie sprach sieben Stunden mit Schleyers Sohn.

Grabstätte des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer
DPA

Grabstätte des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer


Die frühere RAF-Terroristin Silke Maier-Witt hat sich mit dem Sohn des 1977 ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer zu einem Gespräch getroffen - und Reue gezeigt. "Es klingt so platt. Aber ich möchte erst einmal um Verzeihung bitten", sagte Maier-Witt bei einem Treffen mit Schleyers jüngstem Sohn Jörg laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung.

"Es hilft nicht viel, aber ich denke, dass ich immer ausgewichen bin, mich dem zu stellen", sagte Maier-Witt, die wegen der Entführung und Ermordung Schleyers zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Sie hatte sich mit dem inzwischen 63-jährigen Jörg Schleyer zu einem mehr als siebenstündigen Gespräch in Skopje in Mazedonien getroffen, wo Maier-Witt seit einigen Jahren lebt.

 Fahndungsfotos von Silke Maier-Witt ( Archiv )
AP/ Polizei

Fahndungsfotos von Silke Maier-Witt ( Archiv )

Jörg Schleyer sucht seit 40 Jahren Antwort auf die Fragen, wie sein Vater die Geiselhaft verbrachte und welcher Terrorist die tödlichen Schüsse abgab. Nach dem Gespräch mit Maier-Witt sagte er der "Bild"-Zeitung: "Erstmalig habe ich aus dem Mund einer wegen des Mordes verurteilten Terroristin erfahren, wer die drei Personen sind, die bei meinem Vater waren, als die tödlichen Schüsse abgegeben wurden."

Schleyer-Sohn: Maier-Witt wirkte glaubhaft

Maier-Witts Bereitschaft, Auskunft über die Hintergründe der Tat zu geben, habe "glaubhaft" gewirkt, sagte Jörg Schleyer. "Jetzt hoffe ich, dass ihrem Beispiel weitere Täter folgen und ihr Wissen offenbaren."

Der 63-Jährige bat zudem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier um die Freigabe der bisher unter Verschluss gehaltenen Akten zu dem Mord. "Bei der Entscheidung über mindestens acht Gnadengesuche von RAF-Mördern in den vergangenen Jahren muss das Präsidialamt Einsicht in Aktenauszüge der Bundesanwaltschaft, des Verfassungsschutzes und des BND zu den Morden bekommen haben", sagte Schleyer. "Genau dieses Wissen darf den Hinterbliebenen der Opfer nach 40 Jahren nicht weiter verwehrt werden."

Jörg Schleyer (Archiv)
DPA

Jörg Schleyer (Archiv)

Steinmeier hatte zum 40. Jahrestag von Schleyers Ermordung Mitte Oktober ehemalige RAF-Terroristen aufgefordert, ihr Schweigen zu brechen. Bis heute ist nicht geklärt, wer die tödlichen Schüsse auf Schleyer nach sechswöchiger Geiselhaft abgegeben hat.

Die Ermordung des von der RAF entführten Schleyer stand am Ende einer Serie dramatischer Ereignisse, die als Deutscher Herbst in die Geschichte eingingen. Noch während der Schleyer-Entführung kaperte damals ein mit der RAF verbündetes palästinensisches Terrorkommando die Lufthansa-Maschine "Landshut". Ziel war die Freipressung in Deutschland inhaftierter RAF-Terroristen.

Nach einem mehrtägigen Irrflug stürmte die GSG9 die Maschine am 18. Oktober 1977 auf dem Flughafen im somalischen Mogadischu und befreite die Geiseln. Wenige Stunden später begingen drei in Stuttgart-Stammheim inhaftierte Terroristen der sogenannten ersten RAF-Generation Suizid, darunter Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Daraufhin ermordeten Mitglieder der zweiten RAF-Generation den entführten Schleyer.

fok/dpa/AFP



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