Nach Missbrauchsskandal Stadtrat von Rotherham tritt zurück

Der Skandal empörte ganz Großbritannien: 1400 Kinder wurden im englischen Rotherham über Jahre hinweg missbraucht. Der Stadtrat hatte tatenlos zugeschaut - erst jetzt trat er geschlossen zurück.

Ortsschild von Rotherham: "In der Stadt sind schreckliche Dinge passiert"
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Ortsschild von Rotherham: "In der Stadt sind schreckliche Dinge passiert"


Rotherham - 154 Seiten umfasst der jüngste Bericht, der sich mit dem Skandal um missbrauchte Kinder im englischen Rotherham beschäftigt. Der Stadtrat - so heißt es in dem Bericht - habe mehr Wert darauf gelegt, seinen Ruf zu schützen als seine schwächsten Bürger. Als Reaktion kündigten die Mitglieder ihren Rückzug an, wie unter anderem der britische "Guardian" berichtet. Bis zu den Neuwahlen im kommenden Jahr sollen Beamte der Zentralregierung die Arbeit übernehmen.

In der Region um Rotherham waren zwischen 1997 und 2013 rund 1400 Kinder und Jugendliche missbraucht worden. Die Ermittlerin Louise Casey hat in offiziellem Auftrag die Arbeit des Stadtrats in dem Skandal untersucht - und kommt zu einem vernichtenden Urteil. Sie wirft den Mitgliedern in ihrem Bericht "Schikane, Sexismus, Unterdrückung und falsch verstandene 'politische Korrektheit'" vor. Der Rat versage bei seiner Arbeit und sei "derzeit nicht in der Lage, seine Schwächen in den Griff zu bekommen", heißt es.

Banden in der Stadt hatten Mädchen zum Sex genötigt und manche brutal misshandelt. Bei den Tätern handelt es sich vorwiegend um Männer pakistanischer Herkunft. Die jüngsten Opfer waren erst elf Jahre alt. Manche wurden für Gruppenvergewaltigungen in andere Städte Nordenglands gebracht.

Die Behörden wurden dafür kritisiert, dass sie jahrelang Hinweise und Warnungen ignoriert hätten - aus Angst, als Rassisten gebrandmarkt zu werden. Unter anderem sollen sie Anzeigen und Zeugenaussagen der Mädchen nicht ernst genommen haben.

"In Rotherham sind schreckliche Dinge passiert", schreibt Casey in dem Bericht. "Und es wurde nicht genug unternommen, um es zu erkennen, um es zu stoppen, um Kinder zu schützen, Opfer zu unterstützen und um die Täter zu fassen."

aar

insgesamt 3 Beiträge
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karend 04.02.2015
1. Freifahrschein
"Die Behörden wurden dafür kritisiert, dass sie jahrelang Hinweise und Warnungen ignoriert hätten - aus Angst, als Rassisten gebrandmarkt zu werden." Unglaublich. Das gleicht einem Freifahrschein. Wenn Verbrechen begangen werden - ganz gleich von wem - sollten Untersuchungen eingeleitet und nach Beweis entsprechende Gerichtsurteile gefällt werden.
gerosr 05.02.2015
2. Nur weiter so...
Wie die Kirchen, Schulen und Sportvereine in D mit den sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche umgehen, ist auch nicht besser als in Rotherham. Nichts sehen, nichts hören, nichts tun!!!
anna-m. 05.02.2015
3. Nicht nur in GB
dies könnte wohl auch in anderen LÄndern Europas passieren. Leider müssen unter falsch verstandenen "political correctness" die Kinder leiden!
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