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04. September 2011, 12:04 Uhr

Rückkehr nach Sex-Affäre

Strauss-Kahn landet in Frankreich

Dominique Strauss-Kahn ist zurück in der Heimat, knapp vier Monate nach seiner Festnahme. Zahlreiche Journalisten warteten am Flughafen und vor seiner Wohnung vergeblich auf einen Kommentar - er lächelte nur. Einige Parteikollegen bringt er mit seiner Rückkehr in Bedrängnis.

Paris - Zahlreiche Journalisten warteten am Pariser Flughafen auf Dominique Strauss-Kahn. Doch als er am Sonntagmorgen gegen 7 Uhr, knapp vier Monate nach seiner Festnahme, endlich in seiner Heimat landete, lächelte er nur, winkte, stieg mit seiner Frau ins Auto und fuhr davon. Ohne Kommentar.

Strauss-Kahn war am späten Samstagabend (Ortszeit) zusammen mit seiner Ehefrau Anne Sinclair vom New Yorker Flughafen John F. Kennedy losgeflogen. Auf demselben Flughafen war er am 14. Mai festgenommen worden, nachdem ein New Yorker Zimmermädchen ihn beschuldigt hatte, es in einem Hotel vergewaltigt zu haben. Wenige Tage später trat der er als IWF-Chef zurück. Ein US-Gericht stellte das Strafverfahren gegen Strauss-Kahn vor knapp zwei Wochen ein, weil die Klägerin als unglaubwürdig eingeschätzt wurde.

Neben zahlreichen Journalisten wartete am Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle ein Großaufgebot der Polizei zum Schutz von Strauss-Kahn. Zahlreiche Sicherheitskräfte umringten das Paar. Kurz darauf kamen die beiden in der gemeinsamen Wohnung an der Pariser Place des Vosges an - auch dort warteten zahlreiche Journalisten vergeblich auf einen Kommentar Strauss-Kahns. Aus seinem Umfeld hieß es, der 62-Jährige werde am Sonntag keine Stellungnahme mehr abgeben. Nach Einstellung des Strafverfahrens hatte Strauss-Kahn mitgeteilt, er wolle schnell nach Frankreich zurückkehren und sich öffentlich erklären.

Anhörungen zum nächsten Vergewaltigungsvorwurf geplant

Seine Rückkehr fällt in die heiße Phase vor den parteiinternen Vorwahlen der französischen Sozialisten und könnte einige Kandidaten in Verlegenheit bringen. Viele von ihnen haben sich bereits von Strauss-Kahn distanziert, darunter auch Sozialistenschefin Martine Aubry. Umfragen zufolge will eine Mehrheit der Franzosen Strauss-Kahn nicht mehr in einer wichtigen politischen Rolle sehen. Bis zu seiner Festnahme war er der Favorit für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2012.

In seiner Heimat steht Strauss-Kahn nun neues juristisches Ungemach bevor: Die Staatsanwaltschaft Paris untersucht die Vorwürfe der französischen Autorin Tristane Banon, die ihn wegen versuchter Vergewaltigung bei einem Treffen vor acht Jahren angezeigt hat. Zu diesem Fall sind in den kommenden Wochen mehrere Anhörungen geplant; die Staatsanwaltschaft wird dann entscheiden, ob sie ein formelles Ermittlungsverfahren einleitet.

fln/AFP/dapd/dpa

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