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11. Oktober 2011, 19:25 Uhr

Russischer Heroinersatz

Todesdroge Krokodil erreicht Deutschland

Es ist kein Einzelfall: Ärzte in Bochum haben bei Heroinabhängigen Anzeichen einer schweren Vergiftung mit der aus Russland stammenden Droge "Krokodil" festgestellt. Die Szene im Ruhrgebiet ist alarmiert, das Problem offenbar ein bundesweites.

Bochum - In Russland ist "Krokodil" die Droge der Armen, ein lebensgefährliches Gemisch aus Kodein, Benzin, Phosphor und Schwermetallen, eine braune Brühe, die sich jene kochen, die kein Geld mehr für Heroin haben.

Der tödliche Cocktail zerstört den Körper der Süchtigen in kürzester Zeit. Rund um die Einstichstellen bilden sich Geschwüre, das Gewebe zerfällt. Die Lebenserwartung der Abhängigen liegt russischen Medizinern zufolge bei ein bis drei Jahren. Manche User sterben schon beim ersten Konsum.

"Es ist eine unglaublich gefährliche Droge", sagt Axel Pütter vom Polizeipräsidium Bochum. "Die Gefäße der Konsumenten verengen oder schließen sich, manchmal müssen Extremitäten amputiert werden, es gibt gravierende Leberschäden." Pütter hat Grund, sich Sorgen zu machen: Denn "Krok" hat jetzt auch das Ruhrgebiet erreicht.

Am Dienstag berichtete der leitende Arzt der Krisenhilfe Bochum, Heinrich Elsner, dass vier Besucher eines Drogencafés die typischen Symptome gezeigt hätten. Die Abhängigen hätten "katastrophale Haut- und Weichteilschäden" gezeigt, die sonst bei Heroin kaum aufträten, so Elsner. Offenbar sei der Stoff Abhängigen in der Bochumer Szene ohne ihr Wissen als Heroin verkauft worden, vermutet Polizeisprecher Pütter.

Ob es sich bei den Dealern um Durchreisende oder in Deutschland ansässige Personen handele? "Das müssen die Ermittlungen ergeben", so der Sprecher. Bisher wurde die Droge laut Polizei-Informationen auch in Frankfurt am Main angeboten. "Wir wissen von anderen Fällen im Bundesgebiet, dies ist kein Einzelfall", bestätigt Pütter. In Russland wird "Krokodil" seit längerer Zeit vertrieben und soll dort bereits Hunderte von Abhängigen getötet haben.

Die Gefährlichkeit der Droge ist Experten zufolge in der Szene bekannt. Die Drogenhilfe werde alle Betroffenen ansprechen und ihnen eine Methadon-Ersatztherapie anbieten, berichtete die Leiterin der Bochumer Drogenhilfe, Silvia Wilske.

Die vier Betroffenen in Bochum seien ohne festen Wohnsitz, ihr derzeitiger Aufenthaltsort nicht bekannt, sagte Wilske. In der Bochumer Szene herrsche ein "Riesenaufruhr", erläuterte die Polizei. Auch das Landeskriminalamt sei eingeschaltet.

ala/dpa

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