Russland Dutzende Tote bei Selbstmordanschlag auf Moskauer Flughafen

Bei einer Explosion auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sind mehr als 30 Menschen getötet worden, mindestens hundert wurden verletzt. Es handelt sich offenbar um einen Selbstmordanschlag - die Polizei fahndet zudem nach drei Verdächtigen.

DPA/ RIA Novosti

Moskau - Auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sind vermutlich bei einem Selbstmordanschlag mindestens 35 Menschen getötet und rund 170 weitere verletzt worden. Das meldete die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und RIA Nowosti unter Berufung auf eine Flughafensprecherin und das Gesundheitsministerium. Die Behörden bestätigten demnach den Anschlag. Ermittler sprachen von einem Terrorakt.

Russische Sicherheitskräfte suchen nun nach drei verdächtigen Männern. Die Behörden bestätigten nach Angaben der Agentur Interfax, dass die Detonation eine Sprengkraft von mindestens sieben Kilogramm TNT gehabt habe. Die Explosion ereignete sich gegen 14.30 Uhr MEZ. Nach unbestätigten Berichten habe es sich um zwei Sprengsätze gehandelt, die mit Metallstücken gefüllt waren, berichtete das Staatsfernsehen.

Ein Selbstmordattentäter habe sich in die Luft gesprengt, hieß es. Die Detonation habe sich im Ankunftsbereich nahe eines Cafés ereignet, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Wie die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete, kam es im Bereich der Gepäckausgabe des Airports zu einer starken Rauchentwicklung. Die Passagiere würden über einen Extra-Ausgang aus dem Gebäude gebracht, hieß es. Ein Augenzeuge sagte der Agentur Itar-Tass, es gebe viele Verletzte und Rauch in der Halle.

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Anschlag auf Moskauer Flughafen: Chaos, Schrecken, erste Hilfe
Im Internet kursiert ein Video, das offenbar kurz nach dem Anschlag in der Flughafenhalle aufgenommen wurde. Man sieht darauf starken Qualm und Menschen, die am Boden liegen. An einer Stelle brennt offenbar ein Feuer. Helfer laufen mit Taschenlampen umher.

Neben dem dichten Rauch erschwerten viele Trümmer in der Halle die Arbeiten der Helfer, wie Augenzeugen sagten. Rund 50 Rettungswagen rasten mit Blaulicht zu dem etwa 45 Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Flughafen. Die Verletzten wurden in mehrere Kliniken gebracht.

Kreml-Chef ordnet landesweite Alarmbereitschaft an

Ein Bekennerschreiben gibt es derzeit noch nicht. Eine naheliegende Vermutung ist, dass eine Verbindung zu Dschihadisten aus der Region Tschetschenien, dem sogenannten Emirat Kaukasien, gibt. Allerdings ist es dort im vergangenen Jahr zu internen Verwerfungen gekommen. Der Führer, Emir Doku Umarow, hat sich einen öffentlichen Führungsstreit mit seinem Vize geliefert. Ob sich die Organisation wirklich aufgespalten hat, ist noch offen.

Die Agentur Interfax meldete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Selbstmordattentäter vermutlich aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus stamme. Im Nordkaukasus liefern sich Terroristen, kriminelle Banden und Kreml-treue Einheiten fast täglich Gefechte. Islamisten haben immer wieder gedroht, den Terror auch in die russische Hauptstadt zu tragen.

Kreml-Chef Dmitrij Medwedew hat nach dem Terroranschlag für die Verkehrsknotenpunkte im gesamten Land Alarmbereitschaft angeordnet. Auf Flughäfen und Bahnhöfen gelte von sofort an die erhöhte Sicherheitsstufe, sagte Medwedew im Staatsfernsehen. Zugleich kritisierte er, dass offenbar zu laxe Sicherheitsvorkehrungen den Anschlag ermöglicht hätten.

Keine Hinweise auf deutsche Opfer

Im vorigen Jahr hatten tschetschenische Selbstmordattentäterinnen in der Moskauer Metro 40 Menschen mit in den Tod gerissen. In der Metro wurden die Kontrollen nun wieder verschärft. Die gesamte Polizei in Moskau wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. "Alle Patrouillen halten nach verdächtigen Personen und Gegenständen an öffentlichen Orten Ausschau", sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden. Besondere Aufmerksamkeit gelte den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Mitarbeiter des Innenministeriums und des Geheimdienstes FSB wurden an die drei Moskauer Flughäfen geschickt, wie RIA Nowosti meldete. Domodedowo im Süden Moskaus ist der größte Airport der russischen Hauptstadt; die beiden anderen Moskauer Flughäfen sind Wnukowo und Scheremetjewo, hinzu kommen zwei Regional-Airports.

Die russischen Behörden stoppten zunächst alle internationalen Flüge in Domodedowo. Auch Landungen von Maschinen aus Deutschland waren zwischenzeitlich nicht erlaubt. Die deutschen Gesellschaften Air Berlin und Lufthansa fliegen den Airport an.

Nach dem Terroranschlag gab es zunächst jedoch keine Hinweise auf deutsche Opfer. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, es gebe noch keine verlässlichen Angaben zur Herkunft der Toten und Verletzten. Mitarbeiter der deutschen Botschaft seien aber bereits am Flughafen und im Kontakt mit den russischen Behörden.

wit/ala/Reuters/AFP/dpa



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