Von Kindern zu Homosexualität befragt Russische Polizei ermittelt gegen schwulen Talkgast

In einem bekannten russischen Videoblog beantwortete ein Mann Fragen von Kindern zu seiner Homosexualität. Jetzt erhält er Morddrohungen - und muss eine lange Gefängnisstrafe fürchten.
Proteste für mehr Homosexuellen-Rechte in St. Petersburg (Archivbild): "Hast du jemals ein Mädchen geliebt?"

Proteste für mehr Homosexuellen-Rechte in St. Petersburg (Archivbild): "Hast du jemals ein Mädchen geliebt?"

Foto: Dmitry Lovetsky/ AP

"Wie alt warst du, als dir klar wurde, dass du schwul bist?", fragt ein kleiner Junge. Und ein Mädchen in einem roten Kleid will wissen: "Hast du jemals ein Mädchen geliebt?" In Russland droht einem schwulen Mann eine lange Gefängnisstrafe, weil er in einem Internetvideo mit Kindern gesprochen und auf Fragen zu seiner Homosexualität geantwortet hat.

Gegen den Mann mit dem Namen Maxim und eine Frau, die das Video produziert hat, ermittle die Polizei wegen sexueller Nötigung von Kindern, berichtete der britische Rundfunk BBC . In einer Mitteilung der Polizei an die Tatverdächtigen heißt es dem Bericht zufolge, es gebe "Hinweise auf einen verkommenen Charakter" der Akteure. Die beiden hätten die Kinder zu Homosexualität anregen wollen. Russische Medien hatten bereits Anfang November von dem Fall berichtet . Auch die Organisation Human Rights Watch machte auf Maxim aufmerksam .

In Russland ist das "Fördern" von Homosexualität unter Strafe gestellt. Außerdem dürfen Schwule und Lesben ihre Liebe nicht öffentlich zeigen - Küssen oder Händchenhalten sind verboten. Immer wieder kommt es zu brutalen Attacken gegen Homosexuelle. In einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM im Jahr 2015 lehnten 80 Prozent der Befragten die gleichgeschlechtliche Ehe ab.

Produzentin des Videos ist aus Russland geflohen

Seit Bekanntwerden des Videos und der Vorwürfe fürchte er um sein Leben, sagte Maxim. "Viele haben mir gesagt, dass man mich aufspießen und Menschen wie mich töten sollte", erzählte der junge Mann. "Aber warum sollte ich getötet werden, weil ich jemanden liebe?"

Wegen der Ermittlungen habe er bereits den Kontakt zu seiner Familie und zu seinen Liebsten abbrechen müssen. "Und ich glaube nicht, dass ich noch länger in Russland werde leben können."

Die Produzentin der betroffenen Videoreihe "Real Talk" ist eine bekannte Entertainment-Vloggerin in Russland. Als die Polizei Ermittlungen aufnahm, habe sie sofort das Land verlassen. "Ich bin völlig zusammengebrochen", sagte die junge Frau. "Ich habe mich darauf eingestellt, mich von meinem Leben und meiner Freiheit verabschieden zu müssen. Schließlich können 12 bis 20 Jahre Haft drohen."

"Man muss mit Kindern sprechen"

Nach Angaben seiner Macher sollte das Video Kindern Vielfalt und Toleranz näherbringen. "Für mich war das ein sehr wichtiges Projekt, weil ich seit meiner Schulzeit immer diskriminiert worden bin. Man hat mich immer gehänselt - in der Schule, in der Universität, im Leben generell", sagte Maxim. "Und für mich war es extrem wichtig zu zeigen, dass ich einfach ein normaler Mensch bin."

Die Produzentin fügte hinzu, man habe mit dem Video niemandem schaden wollen - im Gegenteil. "Kinder stellen schwierige Fragen. Die Fragen sind merkwürdig, manchmal auch provokativ", sagte sie. "Die Idee war, dass man mit Kindern sprechen muss, um ihnen etwas beizubringen, um ihnen zu erklären, dass Menschen unterschiedlich sind."

jki