Ryan Lochte und Kollegen US-Verband entschuldigt sich für seine Schwimmer

Die Lügengeschichte von Starschwimmer Ryan Lochte und seinen Teamkollegen sorgt weiter für große Aufregung. Der US-Verband hat sich bei den Brasilianern jetzt offiziell entschuldigt.

AP

Der angebliche Raubüberfall auf vier US-Schwimmer während der Olympischen Spiele in Rio ist offenbar eine Erfindung der angeblichen Opfer. Drei von ihnen sollen das inzwischen auch zugegeben haben.

Mehreren Medienberichten zufolge haben sich Superstar Ryan Lochte und drei seiner Kollegen den Vorfall augenscheinlich ausgedacht - weil sie massiv über die Stränge geschlagen hatten und ihre eigenen Ausfälle vertuschen wollten.

Das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) hat sich deshalb in einer Stellungnahme in aller Form bei den brasilianischen Gastgebern entschuldigt und betont, das Verhalten der Athleten sei "weder akzeptabel, noch spiegelt es die Werte oder das Verhalten der großen Mehrheit von Team USA wider".

Wie das USOC in Rio de Janeiro bestätigte, habe Schwimmer James Feigen ein "überarbeitetes" Protokoll seiner bisherigen Angaben zu den Ereignissen vorgelegt, "in der Hoffnung, so bald wie möglich seinen Pass zurückzuerhalten". Gunnar Bentz und Jack Conger hätten nach Aussagen bei der Polizei bereits ihre Pässe erhalten und seien in die USA zurückgekehrt. Ryan Lochte hatte sich nach dem Vorfall am frühen Sonntagmorgen bereits in die USA abgesetzt.

Das USOC erklärte weiter, die Aussagen der drei Schwimmer deckten sich mit den Szenen auf den Videos, die im Verlauf des Donnerstag aufgetaucht waren. Danach hätten "die vier Athleten (Bentz, Conger, Feigen und Ryan Lochte) das France House in den frühen Morgenstunden des 14. August (...) verlassen", an einer Tankstelle "einen Akt des Vandalismus begangen", und nach einer Konfrontation mit zwei bewaffneten Wachmännern und der Bezahlung des Schadens die Tankstelle wieder verlassen.

Entschuldigung an die Gastgeber

Das USOC werde die Angelegenheit nach den Spielen weiter untersuchen und mögliche Konsequenzen ziehen, hieß es in der Stellungnahme weiter. Einstweilen wolle sich das USOC "bei unseren Gästen in Rio und den Menschen in Brasilien" für diesen Zwischenfall entschuldigen.

An der Untersuchung beteiligte Kriminalbeamte bestätigten gegenüber brasilianischen Medien, dass die wohl angetrunkenen Schwimmer auf der Toilette einer Tankstelle randaliert hätten. Auch die Nachrichtenagentur AP meldet unter Berufung auf einen Ermittler, die Polizei gehe inzwischen nicht mehr von einem Überfall auf die Sportler aus.

Ein noch unveröffentlichtes Überwachungsvideo, dessen Existenz die Polizei auf Anfrage lokaler Medien bestätigte, soll die entscheidenden Minuten des vermeintlichen Raubüberfalls am frühen Sonntagmorgen zeigen. Der sechsmalige Olympiasieger Lochte und seine Kollegen Bentz, Conger und Feigen sollen demzufolge in der Toilette einer Tankstelle randaliert haben. "Leider haben die Schwimmer eine Lüge nach der anderen erzählt", zitierte die "New York Times" einen Polizisten, der das Video kennt.

Der Besitzer sagte demnach aus, die Amerikaner seien aus dem Auto gestiegen und pinkelnd an der Gebäudewand entlanggegangen. "Das war purer Vandalismus", sagte er. Die Sportler sollen zudem eine Toilettentür eingetreten haben. Als sie von Sicherheitsleuten gestellt wurden, wollte das Quartett dieser Version zufolge flüchten, woraufhin die Wachmänner ihre Waffen zogen. Daraufhin beglichen Lochte und Co. den Schaden mit Bargeld - und durften gehen.

Viele Fragen, viele Zweifel

Diese Variante weicht grundlegend von den früheren Behauptungen der Schwimmer ab. Lochte etwa hatte mehrere Versionen präsentiert, die letzten Anpassungen nahm er am Mittwoch in einem Telefongespräch mit dem US-Sender NBC vor. Man habe ihm keine Waffe an den Kopf gehalten, sie sei nur auf ihn gerichtet worden. Das Auto, in dem er und seine Kollegen unterwegs gewesen seien, sei auch nicht angehalten, sondern an der Tankstelle überfallen worden.

Bereits ein seit Dienstag öffentliches Video stellte die Aussagen der Schwimmer infrage. Die Bilder einer Überwachungskamera zeigen die vier bei der Ankunft gegen 7 Uhr morgens im Olympischen Dorf, als sie ruhig und geordnet Wertsachen beim Security-Check auf das Band des Röntgengerätes legen. Bei der ersten Polizeivernehmung hatten sie ausgesagt, schon gegen 4 Uhr eine Party im Stadtteil Leblon verlassen zu haben.

Die Athleten hatten dabei nicht sagen können, wo genau sie überfallen worden seien und in welchem Taxi-Typ sie saßen. Sie gaben an, sich wegen Alkoholkonsums nicht an Details erinnern könnten. Lochte hatte der Polizei von einem Mann erzählt, der sie überfallen und 400 Dollar erbeutet habe. Seine Teamkollege Feigen berichteten von mehreren Räubern.

Der Sprecher des olympischen Organisationskomitees, Mario Andrada, äußerte indes Verständnis für die Schwimmer. "Wir müssen verstehen, dass diese Burschen Spaß haben wollen", sagte er. "Seid nicht so streng mit ihnen. Manchmal macht du Sachen, die du später bereust. Sie sind großartige Sportler. Sie hatten Spaß, sie haben einen Fehler gemacht, das gehört zum Leben. Und das Leben geht weiter."

mxw/aha/sid/AP/dpa/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.