Tödlicher Brand in Saarbrücken Gewerkschaft kritisiert Ausstattung der Feuerwehr

Kaputte Drehleiter, zu wenig Personal: Nach dem Brand in Saarbrücken mit vier Toten bemängelt die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft, dass die Retter unzureichend ausgestattet waren. Die Stadt wehrt sich.

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Selbst für erfahrene Feuerwehrleute war dieser Einsatz nicht alltäglich. Als sie das brennende Mehrfamilienhaus in Saarbrücken erreichten, standen an fast allen Fenstern des Hauses Menschen, die um Hilfe riefen. Dichter Rauch drang nach draußen. Laut Polizei wurde eine Person schwer verletzt, als sie vom Dach des fünfstöckigen Gebäudes sprang.

Vier Menschen starben bei dem Feuer, möglicherweise legte eine Bewohnerin den Brand. Die Feuerwehr rettete 29 Personen aus dem Gebäude. Offenbar unter erschwerten Bedingungen: Detlef Schütz, Landeschef der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft im Saarland, kritisiert die "prekäre Situation", unter der die Kollegen arbeiteten.

Ihm zufolge waren die zwei Saarbrücker Wachen zum Unglückszeitpunkt nicht vollständig besetzt: Es fehlten demnach vier Mann, die eigentlich den Sicherheitstrupp bildeten. Diese Feuerwehrleute kümmern sich um die Rettung verletzter Kollegen. Außerdem sei eine Drehleiter während der Rettungsaktion ausgefallen, kritisiert Schütz im Gespräch mit dem SPIEGEL. Die Feuerwehrleute hätten sich mit tragbaren Leitern behelfen müssen, um die Menschen zu retten.

Harald Schindel, Sicherheitsdezernent der Stadt, sagt zu den Vorwürfen: "Wir waren mit ausreichend Personal vor Ort." 115 Feuerwehrleute seien im Einsatz gewesen, darunter auch ein Sicherheitstrupp.

Dass die Drehleiter während des Einsatzes den Geist aufgab, bestätigte Schindel. Doch zu diesem Zeitpunkt hätten sich schon alle Personen im Einsatzradius der Leiter in Sicherheit befunden. Außerdem sei die Leiter erst am Freitag aus der Reparatur gekommen, der Hersteller habe sie als einsatzbereit ausgewiesen. Zwei weitere Drehleitern vor Ort hätten tadellos funktioniert.

Personalrat fordert 15 zusätzliche Stellen

Bleibt die Frage nach dem Personalmangel. Dass die Berufsfeuerwehr nicht über genug Kräfte verfügt, hatte erst vergangene Woche der Personalratsvorsitzende Bernd Schumann in einem Brief an Oberbürgermeisterin Charlotte Britz kritisiert. Laut "Saarbrücker Zeitung" geht Schumann davon aus, dass bis zu 15 zusätzliche Stellen gebraucht werden.

Aus Feuerwehrkreisen ist zu hören, dass Mitarbeiter die Berufsfeuerwehr aus Unmut über den Leiter Josef Schun verlassen haben. Er ist seit 2012 im Amt. Ein Stadtsprecher bestätigte, dass es wegen des Zwistes in der Feuerwehr bereits ein Mediationsverfahren gegeben habe.

Laut Sicherheitsdezernent Schindel sind derzeit zwei oder drei Stellen unbesetzt. Es habe zwar Abgänge gegeben, aber das liege an einer "neuen Konkurrenzsituation". Die Bundeswehr rekrutiere massiv Feuerwehrleute für den Standort in Eft-Hellendorf; in Rheinland-Pfalz suchen ihm zufolge Freiwillige Feuerwehren nach hauptamtlichen Kräften, weil es nicht genug Freiwillige gebe.

Dass es innerhalb der Berufsfeuerwehr Probleme gibt, gesteht Sicherheitsdezernent Schindel ein. Doch das liege vor allem an einer Handvoll altgedienter Feuerwehrmänner, die unter Schuns Leitung um Privilegien fürchteten. Die allermeisten der 180 Mitarbeiter seien nicht an dem Streit beteiligt.

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Feuerwehreinsatz in Saarbrücken: "Prekäre Situation"


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