Saarbrücken Falsche Krebsdiagnosen – angeklagter Pathologe gibt vor Gericht Fehler zu

Einer Frau wurde ein Großteil des Oberkiefers entfernt, ein Mann starb an einer Sepsis: Nicht notwendige Operationen hatten offenbar fatale Folgen. Schuld sollen falsche Krebsdiagnosen eines Arztes gewesen sein.
Landgericht Saarbrücken: »Als Laie beunruhigt mich das ein bisschen«

Landgericht Saarbrücken: »Als Laie beunruhigt mich das ein bisschen«

Foto: Oliver Dietze / picture alliance / dpa

Ein Pathologe soll mehrere falsche Krebsdiagnosen gestellt haben – mit fatalen Folgen für die Patienten. Nun muss sich der 63-Jährige vor dem Landgericht Saarbrücken verantworten.

Die Anklage wirft dem Mann unter anderem gefährliche und schwere Körperverletzung vor – in zwei Fällen versuchten Totschlag und in einem Fall Körperverletzung mit Todesfolge.

Der Angeklagte soll in seinem Institut in St. Ingbert zwischen Februar und November 2018 falsche Krebsdiagnosen gestellt haben. Dadurch seien nicht notwendige Behandlungen und Eingriffe wie etwa Chemotherapien, Brust-, Darm- und Gesichtsoperationen durchgeführt worden. Unter anderem war einer Patientin der Großteil des Oberkiefers entfernt worden, in einem anderen Fall war ein 50-jähriger Mann nach einer mutmaßlich nicht erforderlichen Darmoperation an einer Sepsis gestorben.

Pathologe gibt Fehler zu

»Ärztliches Handeln ist gewöhnlich darauf ausgerichtet, Patienten zu helfen – nicht Schaden zuzufügen«, sagte Johannes Berg, der Anwalt des Angeklagten. Schwerpunkt seiner Verteidigung werde die Frage sein, ob sein Mandant die falschen Befunde vorsätzlich oder fahrlässig vorgenommen habe. Laut Anklage soll der Pathologe aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes und der von ihm abzuarbeitenden »bei Weitem zu hohen Anzahl an Gewebeuntersuchungen« nicht in der Lage gewesen sein, den Facharztstandard einzuhalten und eine zutreffende Diagnosestellung zu gewährleisten. »Dies war ihm bewusst«, heißt es.

Der Pathologe räumte nun bei einzelnen Fällen ein, bei der Auswertung »etwas verwechselt« zu haben. Möglicherweise habe er sich auch von der Statistik »etwas fehlleiten« lassen. Zudem habe er »lieber Diagnosen gestellt, als zu sagen, es lag kein verwertbares Material vor«.

Richter Andreas Lauer sagte: »Als Laie beunruhigt mich das ein bisschen. Es geht ja um Krankheiten, die zu tödlichen Verläufen geführt haben können.« Der Vertreter der Nebenklage, Daniel Schmitz, bezeichnete die Aussage des Angeklagten als »sehr bedenklich«. Wie das im Einzelnen juristisch zu bewerten sei, müsse man nun abwarten. Laut Gerichtssprecher sind weitere Prozesstage bis Anfang Juli terminiert.

Der angeklagte Pathologe befindet sich bereits seit zwei Jahren in Haft. Er war im Juni 2020 wegen Betruges in 17 Fällen sowie wegen Bestechung im Gesundheitswesen in 97 Fällen zu zwei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte Fachärzten Geld gezahlt, damit sie Gewebeproben in seinem Institut untersuchen ließen.

ptz/dpa
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