Ausweitung des Sperrgebiets Saarbrücken sagt Straßenprostitution den Kampf an

Im Kampf gegen die Straßenprostitution an der deutsch-französischen Grenze greift Saarbrücken zu drastischen Mitteln. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz will die Stadt fast komplett zum Sperrgebiet erklären lassen.

Prostituierte in Saarbrücken: Sperrgebiet soll drastisch ausgeweitet werden
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Prostituierte in Saarbrücken: Sperrgebiet soll drastisch ausgeweitet werden


Saarbrücken - Die Stadt Saarbrücken will die Straßenprostitution drastisch einschränken. Dazu soll der Sperrbezirk ausgeweitet werden: Von den 655 Kilometern Straßennetz sollen 652,2 Kilometer zur Verbotszone werden. "Ich glaube, das ist eine Möglichkeit, um die Prostitution einzudämmen", sagte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD).

Ab April sollen Frauen nur noch an drei Punkten im Stadtgebiet und auch nur noch am Abend und in der Nacht Freier anwerben dürfen. "Die Ausnahmen sind auch künftig notwendig, da wir aufgrund der Gesetzeslage nicht das komplette Stadtgebiet zum Sperrbezirk ernennen können", sagte Britz. Zahlreiche Beschwerden von Bürgern hätten die jetzigen Verschärfungen ausgelöst.

Nach Schätzungen von Polizei und Hilfevereinen gibt es derzeit in der saarländischen Landeshauptstadt rund 800 bis 1000 Prostituierte, 150 bis 200 davon auf der Straße - oft zum Billigpreis von 20 bis 30 Euro für Geschlechtsverkehr. Viele dieser Prostituierten kommen aus Bulgarien und Rumänien.

Viele Freier aus Frankreich

Die Oberbürgermeisterin setzt darauf, dass die Sperrbezirksverordnung nach Genehmigung durch das Land im Frühjahr in Kraft treten kann. Dann dürften sich Prostituierte - mit Ausnahme rund um ein soziales Projekt für Drogenabhängige - nur noch zwischen 20 und 6 Uhr im Winter sowie zwischen 22 und 6 Uhr im Sommer an drei Stellen in der Stadt an die Straße stellen. Überwachen soll das die Polizei.

Oberbürgermeisterin Britz dringt darauf, dass die Bundesregierung schnell das Prostitutionsgesetz neu fasst. In einem Brief an Bundesjustizminister Heiko Maas und Frauenministerin Manuela Schwesig hatte sie Schritte auf Bundesebene zur Eindämmung der Prostitution und zum Schutz der Frauen gefordert.

In Deutschland ist Prostitution erlaubt, während sie in den angrenzenden EU-Ländern verboten oder stark reglementiert ist. Grenzstädte wie Saarbrücken sind daher besonders betroffen. Dorthin kommen viele Freier aus dem benachbarten Frankreich, wo Prostituierte keine Kunden anwerben dürfen.

Pläne, eine Erotiksteuer einzuführen, habe Saarbrücken nach den Erfahrungen anderer Städte hingegen zurückgestellt, teilte Dezernent Jürgen Wohlfahrt. So sei etwa in Trier und Köln nach der Einführung einer solchen Abgabe die Prostitution nicht erkennbar zurückgegangen.

wit/dpa/AFP

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
cirkular 19.02.2014
1. Wie wäre es mit einem Einreiseverbot für Franzosen?
Klar, man bräuchte dann wieder Grenzkontrollen. Aber man könnte die Grenze ja auch ganz schießen. Dann bliebe das Böse draußen. Oder man macht einfach nur die Augen zu und hofft, dass sich das Problem verlagert.
redbayer 19.02.2014
2. Aber, aber, die Saarländer wollen doch nicht die Freizügigkeit
in Europa außer Kraft setzen (ähnlich Schweiz). Das gehört doch zu den Grundfesten der EU, dass hunderte Prostituierte aus den benachteiligten Balkanländern zum Arbeiten nach Deutschland kommen (schon wegen der Sozialleistungen) und die Franzosen ihren Leistungsbedarf in Deutschland befriedigen. Was soll da eine Beschränkung? Wenn es den Saarländern nicht passt, können sie doch nach Rumänien oder Bulgarien ziehen, dort gibt es nur noch wenige Prostituierte (wg. der Wanderungsbewegung qualifizierter Arbeitskräfte), das wäre die positive Nutzung der Bewegungsfreiheit in der EU.
fuenfringe 19.02.2014
3. Oh nein...
Zitat von sysopDPAIm Kampf gegen die Straßenprostitution an der deutsch-französischen Grenze greift Saarbrücken zu drastischen Mitteln. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz will die Stadt fast komplett zum Sperrgebiet erklären lassen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/saarbruecken-sagt-strassenprostitution-den-kampf-an-a-954520.html
das bedeutet ja faktisch Ausgangssperren in ganz Saarbrücken :)
santacatalina 19.02.2014
4. Erotiksteuer soll Prostitution zurückdrängen?
Daran hat doch nun wirklich niemand Interesse. Das spült doch schließlich Geld in die Kassen. Ich hoffe, daß Trier - pleite wie die Stadt ist - dabei so richtig absahnt. Und dann zum Beispiel mal Straßenbeläge neu macht.
mattoregiert 19.02.2014
5. kein Grund
gleich aus der SPD auszutreten
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