Sabotage bei der Bahn Staatsschutz geht von »politisch motivierter Tat« aus

Eine Sabotage an Kabeln bei der Deutschen Bahn hatte am Wochenende den Schienenverkehr in Norddeutschland lahmgelegt. Ermittler vermuten nun einen politischen Hintergrund.
Zugreisende am Berliner Hauptbahnhof (am Samstag): Fast drei Stunden lang fuhr kein Zug in Norddeutschland

Zugreisende am Berliner Hauptbahnhof (am Samstag): Fast drei Stunden lang fuhr kein Zug in Norddeutschland

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Im Fall der am Wochenende sabotierten Kabel bei der Bahn geht der Staatsschutz in Bochum von einer »politisch motivierten Tat« aus. Das sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. »Wir haben eine größere Ermittlungsgruppe beim Staatsschutz gebildet, die mit Hochdruck daran arbeitet, die Hintergründe der Tat zu klären.« Der Bochumer Staatsschutz ermittelt zum Tatort in Herne.

Die Staatsanwaltschaft Bochum leitete am Montagmittag ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts auf Gefährdung des Bahn-, Schiffs- und Luftverkehrs ein. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde dem SPIEGEL. Nach Angaben des Sprechers richten sich die Ermittlungen zunächst gegen unbekannt. Spezialisten des polizeilichen Staatsschutzes Bochum hätten am Sonntag noch einmal den Tatort untersucht und begännen nun mit der Analyse gesicherter Spuren.

Am Samstagmorgen wurde die Kabelinfrastruktur der Bahn in Berlin und NRW empfindlich beschädigt. In Norddeutschland fuhren knapp drei Stunden lang gar keine Züge mehr. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach von Sabotage.

Die unbekannten Täter hatten zunächst gegen zwei Uhr morgens bei Herne einen Kabelschacht an einer Bahnstrecke geöffnet, der mit einem schweren Betondeckel gesichert war. Dort durchtrennten sie offenbar mit einer Flex eine wichtige Leitung für die interne Bahn-Kommunikation. Nach dpa-Informationen waren in NRW die Kabelschäden im Bereich des Bahnhofs entstanden. Wo genau, mochte die Polizei auch am Montag aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. »Es gibt jetzt sowieso nichts mehr zu sehen, da die Schäden behoben wurden«, so der Polizeisprecher.

Da auch Berlin ein Sabotageort war, stehen die Ermittler aus dem Ruhrgebiet in engem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen des Landeskriminalamts in der Hauptstadt. Auch dort ermittelt der Staatsschutz. Zu den möglichen Tätern und ihrem Motiv machte auch Bundesverkehrsminister Wissing bisher keine Angaben. Vieles scheint in dem komplexen Fall noch unklar.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Sabotage bei der Bahn, linksradikale Gruppen hatten Signalleitungen und Bahnanlagen angegriffen. Aber diese Gruppen agierten nicht so professionell, wie es bei diesem Angriff offenbar der Fall war. Außerdem reklamierten sie in der Regel nach kurzer Zeit die Angriffe für sich. Das ist beim Fall jetzt nicht geschehen.

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Folge der Sabotage war ein flächendeckender Ausfall des von der Bahn genutzten Funknetzes GSM-R in Norddeutschland. Über dieses Netz läuft nicht nur der Sprechfunk zwischen Leitstellen und Zügen, sondern auch die digitale Übermittlung von Fahrplandaten. Die Kommunikation über GSM-R sei eine »zentrale Schnittstelle zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur«, hieß es bei der Bahn am Wochenende. Ein Kontakt zu Lokführern und Personal war zwischenzeitlich nicht möglich.

Unzählige Reisende waren am Wochenende an Bahnhöfen gestrandet. Im Norden war der Zugverkehr am Samstagvormittag für knapp drei Stunden komplett eingestellt worden. Im Lauf des Tages hatte die Bahn dann vermeldet, dass die Störungen behoben seien. Danach hatte sich der Zugverkehr nach und nach normalisiert.

has/dpa
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