Säure-Opfer in Hilden Gericht verurteilt Ex-Freund zu fünfeinhalb Jahren Haft

In Hilden ist eine junge Deutsch-Türkin an ihrer Wohnungstür mit Schwefelsäure besprüht worden. Als Drahtzieher der Tat wurde nun der Ex-Freund des Opfers verurteilt. Auch sein Komplize muss ins Gefängnis.

Landgericht Düsseldorf: Urteil gegen Drahtzieher eines Säureanschlags
DPA

Landgericht Düsseldorf: Urteil gegen Drahtzieher eines Säureanschlags


Düsseldorf - Das Opfer ist laut Düsseldorfer Landgericht infolge der Tat "ein Leben lang gezeichnet": Der Anstifter eines heimtückischen Säureanschlags auf eine junge Frau in Hilden ist zu fünf Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht sprach den Ex-Freund des Opfers als Drahtzieher der Tat wegen besonders schwerer Körperverletzung schuldig.

Er hatte das schwere Verbrechen angedroht und tagelang vorbereitet. Ein Gericht hatte ihm zuvor bereits verboten, sich der damals 20-Jährigen zu nähern. Der 19 Jahre alte Komplize, der die Attacke mit Schwefelsäure als "Freundschaftsdienst" ausgeführt hatte, wurde zu dreieinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt.

Der 23-Jährige habe seine Ex-Freundin nach der Trennung für andere Männer unattraktiv machen wollen. Unter anderem hat die junge Frau von dem Anschlag Narben an Stirn, Schläfe, Ohr, Hals und Dekolleté zurückbehalten. Auch Bauch, Hüfte, Rücken und ein Auge wurden verletzt.

Die schwer verletzte Frau war bei der Urteilsverkündung anwesend. Sie sei erleichtert, dass sie vor ihrem Peiniger in den kommenden Jahren in Sicherheit sei, sagte ihre Anwältin. Die junge Frau leide nicht nur an den schmerzhaften Narben, die sie täglich aufwendig versorgen müsse, sondern auch psychisch und sei in therapeutischer Behandlung. "Es fällt ihr schwer, morgens vor den Spiegel zu treten." Sie müsse noch geraume Zeit einen Kompressionsanzug tragen und sich mehreren Nachoperationen unterziehen.

Die 95-prozentige Schwefelsäure hatten die Männer für wenige Euro in einer Apotheke gekauft. Die Strafkammer sei erstaunt, wie problemlos derart gefährliche Stoffe ausgehändigt würden, sagte der Richter.

Die Staatsanwaltschaft hatte mehr als neun Jahre Haft für den 23-Jährigen gefordert und acht Jahre für den geständigen Komplizen. Sie werde nun prüfen, ob sie gegen das Urteil in Revision gehe, sagte die Staatsanwältin. Der Anstifter war bereits dreimal wegen Gewalt und Gewaltdrohungen gegen die Frau angezeigt worden. Er hatte die Tat geleugnet und seinen Freund beschuldigt. Sein Verteidiger hatte Freispruch beantragt.

wit/dpa



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