Autor der »Satanischen Verse« Salman Rushdie auf offener Bühne niedergestochen

Der Schriftsteller Salman Rushdie ist kurz vor einer Podiumsdebatte in den USA attackiert und verwundet worden. Der Angreifer wurde festgenommen, über Rushdies Zustand gibt es keine gesicherten Angaben.
Helfer kümmern sich um Salman Rushdie

Helfer kümmern sich um Salman Rushdie

Foto: Joshua Goodman / dpa

Der weltbekannte Autor Salman Rushdie ist bei einem Auftritt im Bundesstaat New York auf offener Bühne angegriffen worden. »Rushdie erlitt offenbar eine Stichwunde am Hals und wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus in der Nähe gebracht«, teilte die New York State Police mit.

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Ein Augenzeuge sagte, ein Mann sei in der Veranstaltungshalle im Ort Chautauqua auf die Bühne gerannt und habe Rushdie attackiert, während dieser noch vorgestellt wurde, um einen Vortrag über künstlerische Freiheit zu halten. Der Angreifer sei festgenommen worden, so die Polizei weiter.

Über den Zustand des indisch-britischen Schriftstellers ist noch nichts bekannt. Zeugen berichteten, der 75-Jährige habe gestützt selbstständig von der Bühne gehen können. Wie die Nachrichtenagentur Reuters und die »New York Times« unter Berufung auf Rushdies Agentin berichten, wird der Autor im Krankenhaus operiert.

Nach Angaben der New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul hat das Eingreifen des Polizisten vor Ort Rushdie das Leben gerettet. »Und ich möchte die Staatspolizei loben, es war ein Polizist, der aufstand und sein (Rushdies) Leben rettete, ihn beschützte«, sagte Hochul in der Stadt Buffalo. Rushdie sei am Leben und bekomme in einem örtlichen Krankenhaus die Hilfe, die er benötige.

Blick nach vorne: Rushdie 2019

Blick nach vorne: Rushdie 2019

Foto: HAYOUNG JEON / EPA-EFE

Per Fatwa zum Tode verurteilt

Rushdies Werk »Die satanischen Verse« wurde im Jahr 1988 in Iran verboten, viele Muslime betrachteten es als blasphemisch. Der damalige iranische Führer Ayatollah Ruhollah Khomeini erließ eine Fatwa, die zu Rushdies Tötung aufforderte. Inzwischen ist ein Kopfgeld von mehr als drei Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt.

Ein japanischer Übersetzer des Werkes wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz. In einem SPIEGEL-Gespräch von 2015 sagte Rushdie: »Meine Angst wächst nicht. Seit 16 Jahren gibt es keinen Sicherheitsdienst mehr für mich.« Und: »Wenn Sie heute einem jungen Menschen die Geschichte der Todesdrohung gegen mich erzählen, klingt das für ihn wohl wie ein Märchen aus längst vergangener Zeit.«

Nach Angaben seines Verlags aus dem vergangenen Jahr habe die Fatwa für Rushdie inzwischen längst keine Bedeutung mehr. Er sei nicht mehr eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit und brauche auch keine Bodyguards mehr. Die Jahre des Versteckens gingen jedoch nicht spurlos an ihm vorüber. Er verarbeitete diese Zeit in der nach seinem Aliasnamen benannten Autobiografie »Joseph Anton« aus dem Jahr 2012.

Geboren wurde Rushdie im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 in der Metropole Mumbai (damals Bombay). Er studierte später Geschichte am King's College in Cambridge. Seinen Durchbruch als Autor hatte er mit dem Buch »Mitternachtskinder« (»Midnight's Children«), das 1981 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. Insgesamt veröffentlichte Rushdie mehr als zwei Dutzend Romane, Sachbücher und andere Schriften.

Rushdies Stil wird als Magischer Realismus bezeichnet, in dem sich realistische mit fantastischen Ereignissen verweben. Dennoch sieht er sich unbedingt der Wahrheit verpflichtet. Diese sieht er zunehmend in Gefahr, was auch im Zentrum seiner jüngsten Veröffentlichung von Essays steht, die in Deutschland unter dem Titel »Sprachen der Wahrheit« herauskamen. Der seit vielen Jahren in New York lebende Schriftsteller stemmt sich darin gegen Trumpisten und Coronaleugner. Den US-Sender PBS sagte er im vergangenen Jahr: »Die Wahrheit ist ein Kampf, das ist keine Frage. Und vielleicht noch nie so sehr wie jetzt.«

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, der Angriff auf Rushdie habe sich in New York ereignet. Tatsächlich wurde der Autor auf einer Bühne in Chautauqua im Bundesstaat New York attackiert.

hba/sak/AP/Reuters
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