Schießerei in Kalifornien Angreifer-Ehepaar soll Waffe legal besessen haben

Warum schossen offenbar zwei junge Eltern im kalifornischen San Bernardino Dutzende Menschen nieder? Die Polizei sucht nach Motiven, die US-Waffenbehörde ATF sagt nun: Mindestens eine Waffe besaß das Duo legal.

Polizeieinsatz in San Bernardino: Wie kamen die Schützen an ihre Waffen?
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Polizeieinsatz in San Bernardino: Wie kamen die Schützen an ihre Waffen?


Das mutmaßliche Todesschützen-Paar von San Bernardino hat offenbar mindestens eine Waffe legal besessen. Eine der eingesetzten Waffen sei rechtmäßig erworben worden, berichten Nachrichtenagenturen und der US-Sender CNN unter Berufung auf die für Waffen und Sprengstoff zuständige Bundesbehörde ATF.

Am Mittwochvormittag hatten die mutmaßlichen Täter bei einer Weihnachtsfeier in einer Sozialeinrichtung das Feuer eröffnet. Bei dem Angriff in einem Zentrum für körperlich beeinträchtigte Menschen tötete das offenbar verheiratete Paar 14 Menschen, mindestens 17 weitere wurden verletzt. Die beiden 27 und 28 Jahre alten Hauptverdächtigen kamen vier Stunden später bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben.

Der Fall könnte die Debatte über das in der Kritik stehende US-Waffenrecht neu entfachen. US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton und Präsident Barack Obama hatten bereits eine Verschärfung der Regeln gefordert, die bislang von den Republikanern blockiert wird. US-Demokraten kündigten Gesetzesinitiativen zur Eindämmung von solchen tödlichen Angriffen an.

Jedes Mal, wenn sie Nachrichten einer solchen Gewalttat sehe, fühle sie es in ihrer Magengrube, teilte Dianne Feinstein mit, demokratische Senatorin im Staat Kalifornien. Waffengewalt habe sich zum "Krebsgeschwür der Nation" entwickelt, sagte der Senator Harry Reid laut der "Los Angeles Times".

Ted Cruz, Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, thematisierte den Angriff im derzeitigen Wahlkampf auf einer Konferenz: Er sprach davon, dass sich die USA nachweislich in einer "Zeit des Krieges" befänden. Obama scheitere daran, das Land vor solchen Gefahren zu schützen. Die Vereinigten Staaten bräuchten nun einen "Präsidenten für Kriegszeiten".

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Die genauen Hintergründe der Tat in San Bernardino sind noch unklar. Der Hauptverdächtige Syed F. soll seit fünf Jahren für die lokale Gesundheitsbehörde gearbeitet haben, die das Fest im Konferenzzentrum organisiert hatte. Seine 27 Jahre alte Partnerin soll Medienberichten zufolge aus Pakistan stammen und erst in jüngerer Vergangenheit aus Saudi-Arabien in die USA gekommen sein, gemeinsam hatten sie offenbar ein sechs Monate altes Kind.

Das Paar soll sich zuvor über das Internet kennengelernt haben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, hatte sich der 28-jährige Syed F. auf mindestens zwei Dating-Plattformen registriert. Eine davon wirbt demnach für Vermittlungen in Indien, die andere wird vom Betreiber bezeichnet als "erste und einzige legale Online-Heiratsvermittlung in den Vereinigten Arabischen Emiraten."

In San Bernardino dauerten die Untersuchungen der Polizei am frühen Donnerstagmorgen (spätnachmittags mitteleuropäischer Zeit) noch an. Laut der "Los Angeles Times" untersuchten Ermittler eine Wohnung in der Ortschaft Redlands, den Tatort in San Bernardino sowie die Stelle, an der Polizisten die flüchtigen Hauptverdächtigen stellten.

Konkrete Hinweise auf ein politisches Motiv gibt es bislang nicht, und auch keine Erkenntnisse zu einer radikalen Gesinnung der Täter. "Er erschien mir nie als fanatisch, er erschien mir nie als verdächtig", sagte eine frühere Arbeitskollegin von Syed F. der "Los Angeles Times". Farhan Khan, der Schwager des Hauptverdächtigen, sagte auf einer Pressekonferenz im kalifornischen Anaheim: "Ich habe keine Ahnung, warum er so etwas tun sollte." (Lesen Sie hier mehr über die bislang bekannten Hintergründe und den Ablauf der Tat.)

Im Video: Großeinsatz in San Bernardino

mxw/Reuters

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