Saudi-Arabien Gericht verurteilt Mann zu Augenamputation

Drakonische Strafe eines saudi-arabischen Gerichts: Weil er einen Mann im Streit verletzt hatte, soll einem indischen Gastarbeiter ein Auge entfernt werden. Eine höhere Instand hat das Urteil bestätigt - und die Amputation kann nun jederzeit vorgenommen werden.


Berlin - Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist die Strafe als Vergeltung für eine tätliche Auseinandersetzung gedacht, in die der Verurteilte verwickelt war. Puthen Veetil Abdul Latheef Noushad soll als Angestellter einer Tankstelle mit einem Kunden in Streit über die Bezahlung geraten sein. Bei der körperlichen Auseinandersetzung habe dieser eine Augenverletzung erlitten und seine Sehkraft zum Teil eingebüßt.

Noushad habe beteuert, in Notwehr gehandelt zu haben, so Amnesty International, sei aber dennoch von einem Scharia-Gericht verurteilt worden. Er befindet sich derzeit in einem Gefängnis in Dammam im Osten des Landes. "Nachdem eine höhere Instanz das grausame Urteil jetzt bestätigt hat, kann die Strafe jederzeit vollstreckt werden", sagte Regina Spöttel von Amnesty International Deutschland.

Der in dem Streit verletzte Mann hatte die Möglichkeit, auf die Vollstreckung der Strafe zu verzichten und sich von dem Täter für die ihm zugefügten Verletzungen finanziell entschädigen zu lassen. Er habe allerdings auf diese Option verzichtet. "Nun kann die Körperstrafe nur noch verhindert werden, wenn der Mann von König Abdullah begnadigt wird", so Spöttel.

Nach internationalen Menschenrechtsstandards werden Zwangsamputationen als Folter oder als "grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe" bezeichnet und sind ausnahmslos geächtet.



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