Scheckbetrug Luxussüchtige Finanzbeamtin ergaunerte über 20 Millionen

Aus unstillbarer Gier nach Designer-Klamotten und Juwelen hat eine US-Finanzbeamtin mehr als 20 Millionen Dollar unterschlagen. Ihr Kleiderschrank quoll über von Hunderten Kleidungsstücken von Louis Vuitton, Chanel und Gucci. Nun drohen ihr 30 Jahre im Schwarzweiß-Gestreiften

Washington - Als die FBI-Agenten das Haus von Harriette Walters betraten, fanden sie sich in einer Schatzkammer wieder. Die Ermittler entdeckten bei der 51-jährigen Finanzbeamtin in Washington D.C. unter anderem 68 Paar Schuhe, 90 Handtaschen und Hunderte Kleidungsstücke, zumeist von Edelmarken, berichtete die "Washington Post" gestern unter Berufung auf die Bundespolizei FBI.

Das Jahresgehalt von 81.000 Dollar (rund 55.000 Euro) der ehemaligen Abteilungsleiterin der Steuerbehörde hätte dafür nicht ausgereicht. Walters hatte nach Angaben der Behörde zusammen mit Komplizen mehr als 20 Millionen Dollar durch Scheckbetrug ergaunert, um ihrem Luxusleben frönen zu können. Sie fälschte Schecks über Rückerstattungen von Grundstückssteuern und leitete das Geld auf die Konten von Scheinfirmen, die von Freunden und Familienangehörigen kontrolliert wurden.

Nach Berechnungen der "Washington Post" sollen es zwischen 2000 und 2007 sogar mehr als 31 Millionen Dollar gewesen sein, die der Stadt dadurch verloren gingen. Die Ermittler sprechen von dem größten Betrug, dem die Regierung von Washington D.C. jemals zum Opfer fiel.

Fabergé, Tiffany und Mercedes

Ein besonderes Faible zeigte Walters für Chanel-Produkte. Allein von dieser Marke raffte sie 47 Handtaschen und zwölf Brieftaschen zusammen. Daneben fanden sich in ihrer Kollektion 13 Armbanduhren, auch von Rolex, hundert Schmuckstücke, ein Nerzmantel, eine Tiffany-Lampe und ein Fabergé-Ei. Einiges davon war in der Garage verstaut - direkt neben einem neuen Mercedes-Modell. Als die Agenten ihr Büro im Finanzamt untersuchten, fanden sie unter anderem eine weitere Designer-Handtasche und eine Vase von Fabergé.

Walters wurde am 7. November verhaftet und muss sich jetzt wegen Bankbetrugs, Brieffälschung, Geldwäsche, Transport von gestohlenen Gegenständen und Verschwörung verantworten. Ihr drohen allein wegen Bankbetrugs bis zu 30 Jahre Haft. Gestern fand eine Sitzung im Gericht statt, bei der die Inventarslisten veröffentlicht wurden. Vermutlich ist ein Großteil des Geldes nicht mehr auffindbar, denn die Beschuldigte war auch im Besitz von 16 Karten von Spielcasinos in Las Vegas und Atlantic City. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Finanzbeamtin das Geld mit Hilfe von Verwandten und Kollegen veruntreute, gegen die ebenfalls Klage eingereicht wurde.

Wichtigste Partnerin der Gaunerin war nach Angaben der Behörden Walters' Nichte. Mindestens 11,7 Millionen Dollar aus mindestens 34 Schecks flossen direkt auf deren Konten. Die gebürtige Puertoricanerin besitzt laut dem Staatsanwalt mindestens ein Haus in der Dominikanischen Republik. Außerdem sind Walters Bruder sowie eine Kollegin aus dem Finanzamt und eine Freundin angeklagt.

abl/AFP

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