Fünf Surfer in den Niederlanden ertrunken "Unvorstellbar grausam"

Scheveningen trauert: Fünf erfahrene Surfer und Rettungsschwimmer sind in der niederländischen Nordsee tödlich verunglückt. Wie konnte das passieren?
Einsatz in Scheveningen: Eine Rettungskraft bringt ein Surfbrett an Land

Einsatz in Scheveningen: Eine Rettungskraft bringt ein Surfbrett an Land

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Sem Van Der Wal/ dpa

Der kleine Fischerort Scheveningen bei Den Haag trauert um fünf Surfer, die in der Nordsee verunglückt sind. Johan Remkes, der Bürgermeister von Den Haag, hat den Angehörigen seine Anteilnahme ausgesprochen. "Die Art und Weise, auf die nun so viele junge Leben abgebrochen und so viele Familien und Freundesgruppen getroffen wurden, ist unvorstellbar grausam", sagte er auf einer Pressekonferenz. Die Opfer waren zwischen 22 und 38 Jahre alt.

Fernsehbilder zeigten, wie am Strand Menschen beieinander stehen und die Einsatzkräfte bei dem Versuch beobachten, den letzten Vermissten zu finden. Vor dem Surfklub The Shore wurden Blumen niedergelegt. Einige der Opfer sollen Medienberichten zufolge Surflehrer und Rettungsschwimmer gewesen sein. "Sie kannten die See wie ihre Westentasche", sagt der Bürgermeister.

Trauer am Strand von Scheveningen: "Ich verstehe, dass Sie hundert Fragen haben. Wir haben diese Fragen auch"

Trauer am Strand von Scheveningen: "Ich verstehe, dass Sie hundert Fragen haben. Wir haben diese Fragen auch"

Foto: SEM VAN DER WAL/EPA-EFE/Shutterstock

Am späten Montagnachmittag waren die Surfer mit ihren Bodyboards in die Nordsee gesprungen. Es blies ein kräftiger Wind, die Wellen waren hoch und von einer dicken Lage Schaum bedeckt, als die Personen in Not gerieten. Einigen gelang es, aus eigener Kraft wieder den Strand zu erreichen. Die Königliche Niederländische Rettungsgesellschaft holte sieben Personen aus dem Wasser, von denen zwei trotz Wiederbelebungsversuchen am Strand starben. Ein dritter Surfer wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

Schwieriger Einsatz - und die Frage nach der Ursache

Gegen 23 Uhr wurden die Rettungsarbeiten unterbrochen. Zu diesem Zeitpunkt wurden noch drei Personen vermisst. Am Dienstagmorgen wurden zwei Surfer tot aus der Nordsee geborgen. Die Leiche eines dritten Opfers sei gesichtet worden, so die Rettungsdienste. Wegen der Strömung gestaltete sich die Bergung jedoch schwierig.

Was die gut trainierten Surfer in Not gebracht hat, ist noch unklar. Hatte der Wind plötzlich an Stärke zugenommen? Möglicherweise, so vermuten erfahrene Wassersportler, konnten sie sich durch die dicke Schaumlage auf den Wellen nicht mehr orientieren. Auf einem Bodyboard kann der Surfer nicht aufstehen, sondern nur auf dem Bauch liegend die Wellen nehmen. Oder sie wurden von einer heftigen Strömung auf die mit schweren Gesteinsbrocken befestigte Kaimauer am Hafen geworfen. "Wir wissen es noch nicht", sagt der Sprecher der Küstenwache Edwin Granneman im Radio, "das muss noch untersucht werden."

Auch Bürgermeister Remkes kündigte an, den Fall aufzuklären: "Ich verstehe, dass Sie hundert Fragen haben. Wir haben diese Fragen auch", sagte er. Ermittlungen brächten die Opfer aber nicht zurück, so der Politiker weiter. Familie und Freunde könnten sich auf die Unterstützung der Stadt verlassen.

bbr/dpa
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