Zwei Tote in New York Schüsse im Herzen Manhattans

Vor einem Jahr verlor Jeffrey J. seinen Job, nun kehrt er mit einer Waffe zurück und tötet einen Ex-Kollegen - mitten im Zentrum Manhattans. Es kommt zur Schießerei mit der Polizei. J. stirbt, neun Menschen werden verletzt, möglicherweise auch durch Polizeikugeln.


New York - Was genau Jeffrey J. antrieb, als er sich an diesem Freitagmorgen auf den Weg zu seiner ehemaligen Arbeitsstätte in Manhattan macht, ist unklar. Wenig später ist er tot. J. stirbt vor einer der größten Touristenattraktionen New Yorks, dem Empire State Building. Mit ihm kommt ein weiterer Mann ums Leben, neun Menschen werden verletzt.

Ein Jahr ist es her, dass sie J. bei Hazan Imports gefeuert haben, einer Importfirma, die mit Damenaccessoires handelt. Die Stelle von J., 58, wurde wie die von anderen Kollegen im Zuge eines Personalabbaus gestrichen.

Mit einer Waffe geht J. an diesem Freitag in das Gebäude auf der Fifth Avenue. Was genau dann im Inneren passiert, können bisher weder Stadtvertreter noch die Polizei sagen. Fest steht nur: Es kommt zum Streit zwischen J. und einem ehemaligen Arbeitskollegen. Die Männer sollen seit längerem in einen Streit über Belästigung am Arbeitsplatz verwickelt gewesen sein, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf Polizeiangaben. Sie hätten Klage gegeneinander eingereicht.

Draußen, vor dem Empire State Building, eskaliert die Situation. Aus nächster Nähe feuert J. drei Schüsse ab, der Kollege von einst bleibt tot auf der Straße liegen. Es ist kurz nach neun, bei der Feuerwehr geht der erste Notruf ein.

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New York: Schießerei beim Empire State Building
Ein Bauarbeiter hat die Szene beobachtet, er folgt dem Schützen und informiert die Polizei. Die Beamten wollen J. stellen, da richtet er seine Waffe auf sie. Ob er tatsächlich feuert, ist unklar. Es beginnt eine Schießerei, bei der J. ums Leben kommt.

"Ich hörte Schüsse, dann Schreie. Die Menschen strömten auseinander, sie rannten vom Empire weg", erzählt eine Passantin dem Sender CNN, es sei "wie im Wilden Westen zugegangen". Nur Minuten nach den Schüssen werden auf sozialen Netzwerken die ersten Fotos vom Tatort hochgeladen, zu sehen sind Blutlachen und zwei leblose Körper. Augenzeugen berichten von ihren Gedanken an vergangene Terroranschläge: den 11. September 2001, das Kino-Attentat von Aurora.

Dass es sich bei der Schießerei vor einer der beliebtesten Touristenattraktionen New Yorks nicht um einen Terrorakt handelt, weiß die Polizei schnell. Erst vor knapp zwei Wochen kam es in der Stadt zu einem ähnlichen Zwischenfall: In der Nähe des Times Square erschossen Polizisten vor den Augen zahlreicher Passanten einen 51-jährigen Mann, der mit einem Messer herumgefuchtelt hatte.

Nun sind mitten in Manhattan zwei Menschen tot, neun verletzt. Bürgermeister Michael Bloomberg sagt später auf einer Pressekonferenz, dass sie "möglicherweise" auch von Polizeikugeln getroffen wurden. Die sieben Männer und zwei Frauen werden in Krankenhäuser gebracht. Die Polizei geht davon aus, dass sie überleben.

Bloomberg spricht von einer "entsetzlichen Tragödie". Zugleich lobt er das Verhalten des Bauarbeiters und der Polizisten als "Heldentat". Sie hätten möglicherweise mehr Blutvergießen verhindert. "New York ist eine der sichersten Städte in diesem Land", sagt Bloomberg. "Aber wir sind nicht immun gegen die nationalen Probleme mit Waffengewalt."

aar/dpa/dapd/AFP/Reuters/AP



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