Schießerei in Arztpraxis 78-jähriger Schütze war offenbar psychisch krank

Er tötete zwei Ärzte, schoss einen Polizisten an und nahm sich das Leben: Der 78-Jährige Todesschütze von Weilerbach litt laut Ermittlern an einer wahnhaften Persönlichkeitsstörung. In seiner Wohnung entdeckten sie einen Abschiedsbrief und ein kleines Waffenarsenal.


Kaiserslautern - Die Tat löste Entsetzen im rheinland-pfälzischen Weilerbach aus: Nach den tödlichen Schüssen eines 78-jährigen Rentners auf zwei Ärzte in einer Praxis gehen die Ermittler von einer psychischen Erkrankung des Mannes als Auslöser der Tat aus. Der Schütze habe offenbar an einer "wahnhaften Persönlichkeitsstörung" gelitten, sagte Oberstaatsanwalt Hans Bachmann am Dienstag in Kaiserslautern. Die fortschreitende Verwirrung habe mutmaßlich am Montag akut zu dem Gewaltausbruch geführt.

Die Polizei bezeichnete den Täter als Sonderling. Er sei als "schwierig und zunehmend verwirrt" bezeichnet worden, sagte Bachmann. Der Mann habe in letzter Zeit zunehmend seine Umgebung feindselig gesehen und sich etwa grundlos durch Nachbarn bedroht gefühlt. Diese habe er unter anderem beschuldigt, "ihn durch Geräte zu bestrahlen". Mehrmals musste deshalb die Polizei anrücken, zuletzt im Februar. Der sozial-psychologischen Dienst sei eingeschaltet worden, es habe auch Hausbesuche gegeben. Die Nacht vor der Tat soll der 78-Jährige in einem Hotel verbracht haben. Der "unvorstellbare Gewaltausbruch" sei aber nicht vorhersehbar gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Der Mann war am Montagnachmittag in die Praxis gegangen. Laut Polizei wartete er dort zunächst, bis er aufgerufen wurde. Im Behandlungszimmer habe er dann zunächst seinen Arzt und danach einen zur Hilfe eilenden zweiten Arzt erschossen. Den Polizeiangaben zufolge gibt es keinen Hinweis darauf, dass der an Krebs erkrankte Rentner den Ärzten Vorwürfe wegen seines Gesundheitszustands gemacht habe. Im Gegenteil, er habe gerade mit seinem behandelnden Arzt ein gutes Verhältnis gepflegt.

Nach den Schüssen in der Praxis war der Mann in seine Wohnung geflüchtet. Von dort gab er noch aus einem Fenster heraus einen Schuss ab, der einen Polizisten leicht am Hals verletzte. Anschließend nahm der Rentner sich selbst das Leben.

In der Wohnung fanden die Fahnder auch einen Abschiedsbrief. Dies deute darauf hin, dass die Tat geplant war, auch wenn sie nicht explizit angekündigt worden sei, so die Ermittler. Der 78-Jährige habe in dem Brief jedoch lediglich seine Wünsche für seine Bestattung notiert. "Mein Sohn soll alles regeln. Ich will kein Grab, ich will verbrannt werden", stand laut Oberstaatsanwalt Bachmann unter anderem auf dem Zettel.

Der krebskranke Mann habe zudem ein kleines Waffenarsenal besessen. Fahnder fanden sechs Langwaffen und drei Pistolen bei ihm. Einen Waffenschein oder Besitzkarten hatte der Mann nach Angaben der Ermittler nicht. Strafrechtlich sei er bisher nicht in Erscheinung getreten. Die Ermittler wollen weiter Nachbarn und Menschen aus dem Umfeld der Praxis befragen, um das Motiv aufzuklären.

wit/dpa/dapd/AFP



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