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Schlag gegen Kartell Mexikos Armee tötet mächtigen Drogenboss

Er gehörte zu den meistgesuchten Drogenbaronen in Mexiko: Bei einem Gefecht mit Soldaten ist "Nacho" Coronel erschossen worden. Er war einer der Anführer des mächtigen Sinaloa-Kartells. Ein wichtiger Erfolg für die Regierung - denn der Krieg der Rauschgiftmafia wird immer grausamer.

Mexiko-Stadt - 7,4 Millionen Dollar Kopfgeld waren auf die Ergreifung von Ignacio "Nacho" Coronel in den USA und Mexiko ausgesetzt. Er war einer der drei Anführer des mächtigen Sinaloa-Kartells - einer Organisation, die große Teile des Drogenhandels im Norden und Nordwesten des Landes kontrolliert und grausame Morde begeht. Soldaten der mexikanischen Armee haben Coronel am Freitag getötet.

Der Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelang dem Verteidigungsministerium zufolge am Rande der Stadt Guadalajara, 580 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt. 150 Soldaten waren an der Operation beteiligt, sie hätten sich dem Versteck Coronels genähert. Dieser habe geschossen und einen Soldaten getötet. Die Truppen hätten das Feuer erwidert und Coronel getötet.

Coronel gehörte zu den meistgesuchten Drogenbossen in Mexiko. Coronel führte Armeeangaben zufolge die Operationen des Sinaloa-Kartells im Westen Mexikos und kontrollierte die sogenannte Pazifikroute des Kokainhandels in Richtung Norden. Die US-Bundespolizei FBI wirft Coronel vor, in Geheimlaboren Methamphetamin hergestellt und in die USA gebracht zu haben.

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Mexiko: Ein Land im Drogenkrieg

Foto: STRINGER/MEXICO/ REUTERS

In der Hierarchie des Sinaloa-Kartells nahm er nach Joaquin "El Chapo" Guzmán und Ismael "El Mayo" Zambada den dritten Rang ein. Guzmán gelang 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis, er schaffte es vergangenes Jahr mit seinem Milliardenvermögen auf Platz 41 der 67 "mächtigsten Menschen der Welt" des US-Magazins Forbes.

Der mexikanischen Regierung wurde vorgeworfen, dass Sinaloa-Kartell zu bevorzugen oder nicht so hart gegen es vorzugehen wie gegen andere Drogenbanden. Präsident Felipe Calderón hat die Vorwürfe scharf zurückgewiesen. Seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren hat Calderón Zehntausende Soldaten in den Krieg gegen die Rauschgiftmafia geschickt - doch mit dem härteren Vorgehen ist auch die Gewalt eskaliert.

Seit Ende 2006 sind mehr al 25.000 Menschen getötet worden - immer wieder melden die Zeitungen Schießereien, Morde, abgetrennte Köpfe werden gefunden und Leichen in Massengräbern.

Politik, Justiz, Polizei - von den Drogenkartellen unterwandert

Der Juli war ein besonders blutiger Monat - allein am Donnerstagabend wurden im Norden Mexikos 15 Leichen entdeckt. Sie waren an einer Landstraße im Bundesstaat Tamaulipas abgelegt worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich um Opfer des Drogenkrieges handelt. Die Leichen hatten weiße Hemden mit dem Buchstaben "Z" an, was auf eine Mitgliedschaft im Kartell der "Los Zetas" hindeutet. Die "Los Zetas" kämpfen gegen das Golf-Kartell um die Kontrolle über den Drogenhandel in Tamaulipas an der Grenze zu den USA.

Ende Juni war in diesem Bundesstaat ein Kandidat für den Gouverneursposten ermordet worden. Besonders häufig werden Bürgermeister zur Zielscheibe. Aus Angst vor den Kartellen leben viele Politiker und hohe Beamte diverser Städte Nordmexikos in den USA. Andere arbeiten mit den Drogenbanden zusammen.

"Drogenterrorismus" in Mexiko

Einige sprechen schon von . Politik, Justiz, Polizei und auch die Medien sind von den Kartellen unterwandert und werden teilweise von ihnen kontrolliert.

Besonders deutlich zeigte sich das an einem Vorfall, der Anfang der Woche bekannt wurde: Eine mexikanische Gefängnisdirektorin bewaffnete offenbar Insassen ihrer Anstalt. Sie ließ zu, dass eine Verbrecherorganisation Häftlinge rekrutierte und zu nächtlichen Mordtaten losschickte: Mit Fahrzeugen und Waffen des Gefängnisses. Wie die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft bekanntgab, töteten die Häftlinge seit Februar wahrscheinlich 35 Menschen.

Das US-Konsulat in der gefährlichen mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez schloss am Freitag vorübergehend. Die US-Botschaft erklärte, Grund sei eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen. Vor vier Monaten hatten Mitglieder einer Drogenbande eine amerikanische Mitarbeiterin des Konsulats, ihren Ehemann und zwei weitere Personen getötet.

kgp/dpa/apn/AFP
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