Schweden Atomreaktor wegen Sabotage-Verdachts abgeschaltet

Erst hieß es, die Reaktoren seien nicht beeinträchtigt, dann wurde das gesamte AKW Oskarshamn doch abgeschaltet: Die Polizei hatte bei zwei Handwerkern eine Tüte entdeckt, an der hochexplosives Material haftete - Hausdurchsuchungen erhärteten den Verdacht.

Stockholm - Der Reaktor 1 des schwedischen Atomkraftwerkes Oskarshamn ist in der Nacht zum Donnerstag wegen Sabotageverdachts abgeschaltet worden. Dies sei eine "reine Vorsichtsmaßnahme", teilte der Betreiber OKG mit. Wie die Polizei in Kalmar sagte, wurden gleichzeitig bei einer Hausdurchsuchung von zwei als tatverdächtig festgenommenen Männern "gewisse Funde" gemacht. Einzelheiten teilten die Behörden zunächst nicht mit. Mittwochmorgen hatten Kontrolleure an einer Tasche von einem der Männer Reste eines hochexplosiven Sprengstoffes gefunden.

Nach Informationen des Internetportals "SvD.se" wurden auf einer Tüte, die der Schweißer bei sich trug, Anhaftungen des Sprengstoffs Acetonperoxid (TATP) entdeckt. Dem Schwedischen Staatsfunk sagte der Pressesprecher des Meilers, die Substanz habe sich am Henkel der Tüte befunden. Die Sprengstoffspuren könnten grundsätzlich aber auch vom Schießen bei einer Jagd herrühren. Der Handwerker kann sich laut "SvD" nicht erklären, wie sie darauf gelangt seien.

Beide Männer arbeiteten im Kernkraftwerk als Schweißer für eine Fremdfirma. Sie hatten sich mehrere Tage unbeaufsichtigt auf dem Werksgelände bewegen können, wie ein Werkssprecher sagte.

Teile des Gebäudes waren am Mittwoch in einem Umkreis von etwa 300 Metern abgeriegelt worden. Nach Bekanntwerden des Fundes begannen Polizeieinheiten mit einer systematischen Durchsuchung des Kernkraftgeländes an Schwedens Ostseeküste. Wie ein Kraftwerkssprecher am Morgen im Rundfunk sagte, blieb die noch nicht abgeschlossene Suche bislang ohne Ergebnis.

Die Angst vor der Kernschmelze

Die Anlage befindet sich rund 30 Kilometer nördlich von Oskarshamn direkt am Kalmarsund und produziert mit drei Reaktoren etwa zehn Prozent des Stroms für Schweden.

Acetonperoxid ist ähnlich gefährlich wie Nitroglycerin und reagiert empfindlich auf Wärme, Reibung und Stöße. TATP lässt sich mit Schwefelsäure oder Aceton auch von Laien herstellen. Das Gemisch kann bei leichten Stößen explodieren, aber Terroristen lieben es: TATP wird "die Mutter Satans" genannt.

Das Kraftwerk Oskarshamn hatte bereits vor zwei Jahren für Schlagzeilen gesorgt: nachdem sich im AKW Forsmark am 25. Juli 2006 ein Störfall ereignet hatte, mussten auch zwei baugleiche Blöcke in Oskarshamn vorläufig abgeschaltet werden.

Im Block Forsmark-1 war es damals zu einem Kurzschluss gekommen, der den Reaktor vom Stromnetz abschnitt. Dann versagte die Notstromversorgung. Nur weil zwei Dieselaggregate ansprangen, konnte ein Teil der Notkühlung wieder in Betrieb genommen werden.

Näher käme man an eine Kernschmelze nicht heran, sagte Kernkraftexperte Lars-Olov Höglund seinerzeit dem "Svenska Dagbladet". Ein Sprecher der Betreiberfirma des AKW Oskarshamn erklärte damals, ein ähnlicher Vorfall wie in Forsmark könne nicht ausgeschlossen werden.

Die Betreibergruppe wird von E.ON aus Deutschland und dem finnischen Unternehmen Fortum gebildet.

han/dpa

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