Umstrittene Recherche Journalisten wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt

Nur wenige Stunden hat ein Redakteur der schwedischen Zeitung "Expressen" gebraucht, um sich in Malmö illegal eine Waffe zu besorgen. Die Aktion sollte Recherchezwecken dienen - und endete nun mit einer Verurteilung vor Gericht.

Malmö - Wegen Verletzung des schwedischen Waffengesetzes hat ein Gericht in Malmö drei Journalisten der Zeitung "Expressen" verurteilt. Das Boulevardblatt wollte mit dem illegalen Kauf einer Pistole im Oktober 2010 demonstrieren, wie leicht sich jedermann Waffen beschaffen kann. Zu der Zeit hatte ein Heckenschütze mit einer Anschlagserie auf Einwanderer die Stadt Malmö wochenlang in Atem gehalten.

Das Gericht wies am Freitag jedoch die Begründung zurück, dass die Beschaffung der Waffe in aufklärerischer Absicht getätigt worden sei. Vielmehr habe die Zeitung "bewusst ein Risiko akzeptiert, um eine Nachricht zu erzeugen".

Der Reporter Diamant Salihu hatte die halbautomatische Pistole innerhalb weniger Stunden bei Kriminellen in Schwedens drittgrößter Stadt beschaffen können und sofort nach dem Kauf bei der Polizei abgeliefert. Er selbst wurde wegen Verletzung des Waffengesetzes, Nachrichtenchef Andreas Johansson wegen Beihilfe und Chefredakteur Thomas Mattsson wegen Anstiftung verurteilt.

Von der sonst bei illegalem Waffenkauf fälligen Haftstrafe sah das Gericht ab, weil Salihu die Pistole umgehend abgeliefert hatte. Die drei Journalisten müssen jedoch Bußgelder zahlen: Chefredakteur Mattsson bekam mit 30.000 Kronen (rund 3300 Euro) die höchste Strafe, die beiden anderen müssen 13.500 sowie 14.400 Kronen Strafe zahlen. Die Höhe der Bewährungsstrafen war zunächst nicht bekannt.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur TT will "Expressen" Berufung gegen das Urteil einlegen. "Wir werden weiter unkonventionelle Methoden anwenden, um über Verbrechen zu recherchieren, die Polizei und Justiz nicht stoppen können", sagte Chefredakteur Mattsson.

Der mutmaßliche Heckenschütze von Malmö steht seit Montag vor Gericht. Dem 40-Jährigen werden drei Morde und zwölf Mordversuche vorgeworfen, die in den Jahren 2003 bis 2009 in der südschwedischen Stadt verübt wurden. Zum Prozessauftakt wies er die Vorwürfe zurück.

aar/dpa/AFP
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