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21. Mai 2015, 08:51 Uhr

Schweigegeld nach Missbrauch

Kardinal George Pell weist Vorwürfe zurück

George Pell soll einem Missbrauchsopfer Anfang der Neunzigerjahre Schweigegeld geboten haben. Das hat ein Betroffener unter Eid ausgesagt. Der australische Kardinal, inzwischen Leiter der Finanzbehörde im Vatikan, bestreitet das.

Von den Vorwürfen gegen sich will George Pell nichts wissen: Er habe nichts falsch gemacht, er habe keinen Missbrauchsfall in der katholischen Kirche vertuschen wollen, teilte der australische Kardinal mit. Die Anschuldigungen gegen den Leiter der Finanzbehörde im Vatikan kommen von einem Betroffenen.

David Ridsdale, Neffe eines wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Pfarrers, sagte vor einer Untersuchungskommission der australischen Regierung unter Eid aus. Er wiederholte dabei Vorwürfe, die Pell bereits seit langer Zeit verfolgen.

Demnach informierte Ridsdale 1993 Pell in einem Telefongespräch darüber, als Kind von seinem Onkel missbraucht worden zu sein. Pell, damals ein Freund der Familie, habe daraufhin gesagt: "Ich will wissen, was nötig ist, damit du schweigst." Der Geistliche habe angesprochen, dass Ridsdale ja womöglich bald ein Auto oder ein Haus kaufen wolle. Daraufhin habe er aufgelegt und seinen Schwestern erzählt, Pell wolle ihn kaufen, berichtete Ridsdale der Kommission.

In einem Vatikan-Statement teilte Pell mit, der Onkel des Opfers sei zum Zeitpunkt des Telefonats bereits im Visier der Polizei gewesen. Er habe bei den Ermittlungen kooperiert, so der Kardinal. Er habe Mitgefühl mit David Ridsdale, der "unter dem Missbrauch durch seinen Onkel fürchterlich gelitten hat". Und er bedaure, dass es zu Missverständnissen gekommen sei. "Zu keiner Zeit habe ich versucht, David Ridsdale zu bestechen oder ihm und seiner Familie Schweigegeld geboten."

Peter McClellan, der Vorsitzende der Untersuchungskommission, kündigte an, er werde eine weitere Stellungnahme Pells zu den Vorwürfen anfordern. Der Kardinal sagte, er sei "zur vollständigen Kooperation mit der Kommission verpflichtet".

wit/AP

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