Schwere Krawalle in London "Es war wie im Krieg"

Die schweren Krawalle im Brennpunktviertel Tottenham sind unter Kontrolle - jetzt wird das Ausmaß der Schäden deutlich: Anwohner berichten von schockierenden Szenen, ganze Gebäudekomplexe sind ausgebrannt. Premier Cameron verurteilte die Ausschreitungen aufs Schärfste.
Schwere Krawalle in London: "Es war wie im Krieg"

Schwere Krawalle in London: "Es war wie im Krieg"

Foto: Facundo Arrizabalaga/ dpa

Hamburg/London - Die Ausmaße der schweren Krawalle im Brennpunktviertel Tottenham sind erst im Tageslicht sichtbar: Vor den Augen von Anwohnern und Polizei hatte in der Nacht zum Sonntag ein Welle der Gewalt einen ganzen Londoner Stadtteil überrollt.

Randalierer setzten in Tottenham im Norden Londons Häuser, Geschäfte und Supermärkte in Brand, zündeten Polizeiautos und einen Doppeldeckerbus an und plünderten Läden. Von einigen Häusern blieben nur die Grundmauern, von Fahrzeugen nur Stahlgerippe übrig.

Nach Berichten von Augenzeugen spielten sich dramatische Szenen ab. Familien mit kleinen Kindern mussten aus ihren Wohnungen in brennenden Häusern fliehen. "Es war wie im Krieg", sagte ein Anwohner dem Sender Sky News.

Augenzeugen zufolge streiften Banden durch das Viertel und plünderten Geschäfte und Privatwohnungen. "Sie haben alles mitgenommen", sagte der Besitzer eines ansässigen Sportgeschäfts der BBC. "Und was sie übriggelassen haben, ist zerstört".

Die Randalierer warfen Brandsätze, Steine sowie Flaschen auf Polizisten. Erst am Sonntagmorgen war die Lage in dem Nordlondoner Stadtteil wieder unter Kontrolle. "Wir sahen uns einer Gewalt gegenüber, wie wir sie in diesem Ausmaß nicht erwarten konnten", sagte Adrian Hanstock von Scotland Yard.

Der Sachschaden geht in die Millionen. Die Feuerwehr, die mehr als 250 Notrufe erhalten hatte, konnte sich nicht rechtzeitig ihren Weg durch die Menschenmenge bahnen. Dem "Guardian" zufolge wurden 26 Polizisten und drei Zivilisten verletzt, zwei Polizeibeamte befinden sich demnach noch im Krankenhaus.

Großbritanniens Premierminister David Cameron verurteilte die Ausschreitungen als "völlig inakzeptabel".

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Krawalle in London: Flammen, Gewalt, Plünderungen

Foto: Ki Price/ AFP

Dutzende Festnahmen

Hintergrund der Krawalle war der Tod eines 29-Jährigen am Donnerstag: Ein Polizist hatte den Vater dreier Kinder erschossen. Etwa 300 Londoner hatten sich daraufhin am Samstagabend vor dem Polizeigebäude versammelt und demonstriert - später eskalierte die Demo dann zu einer Straßenschlacht.

Die Familie des Getöteten und deren Umfeld glaubt nicht an die Version der Polizei, der 29-Jährige habe aus einem Taxi heraus das Feuer eröffnet. Eine polizeiinterne Untersuchung ist im Gange. Der Polizeischütze gehörte der Sondereinheit "Trident" von Scotland Yard zur Bekämpfung von Bandenkriminalität an.

Nach Angaben von Scotland Yard wurden nach den Ausschreitungen 42 Verdächtige festgenommen. "Einige Kriminelle haben eine friedliche Demonstration gekapert", sagte Sprecher Hanstock weiter. Die Polizei habe Kräfte zusammengezogen, um eine Fortsetzung der Gewalt zu unterbinden. "Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen", sagte Hanstock.

Teile des Londoner Stadtteils Tottenham gelten seit Jahrzehnten als problematisch. Viele Kulturen, in ihren Heimatländern häufig verfeindet, treffen dort aufeinander. Bereits 1985 hatte es einen aufsehenerregenden Aufstand gegeben, nachdem ein Polizist erschossen worden war. In den vergangenen Jahrzehnten war Tottenham als eines der Zentren der Londoner Bandenkriminalität bekannt.

amz/dpa/AFP
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