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25. März 2011, 10:54 Uhr

Schwerverbrecher

Thomas Wolf gesteht und entschuldigt sich

Thomas Wolf gerierte sich gern als Gentleman - in all den Jahren, in denen nach ihm gefahndet wurde. Nun hat der Schwerverbrecher vor Gericht ein Geständnis abgelegt und sich bei der Bankiersgattin, die er entführte, entschuldigt.

Wiesbaden - Für Thomas Wolf geht es um viel: nämlich darum, ob er irgendwann in seinem Leben mal wieder aus dem Gefängnis kommt. Und sei es nur für einen Freigang. Vermutlich hat der einst meistgesuchte Schwerverbrecher Deutschlands am Freitag auch deshalb ein Geständnis abgelegt und sich bei seinem letzten Opfer entschuldigt.

"Ich bereue meine Taten zutiefst", sagte der 58-Jährige zu Beginn seiner Erklärung. Er richtete sich explizit an sein Entführungsopfer, die Frau eines leitenden Bankangestellten aus Wiesbaden, und bat um Verzeihung. "Mit meiner Tat habe ich eine gesamte Familie zehn Stunden lang in Angst und Schrecken versetzt", sagte der Angeklagte. "Da gibt es nichts zu verharmlosen."

Die Frau befand sich vor zwei Jahren etwa zwölf Stunden in der Gewalt des Angeklagten. Wolf erpresste von ihrem Mann rund 1,8 Millionen Euro.

Zuvor hatte der vorsitzende Richter Jürgen Bonk einen Befangenheitsantrag der Verteidigung als unbegründet zurückgewiesen. Wolfs Verteidiger, Joachim Bremer, hatte sich über die Sicherheitsvorkehrungen beschwert. Er hält es für nicht akzeptabel, dass sein Mandant zwischen zwei Justizbeamten an einem Tisch hinter ihm sitzen muss. Dadurch wird seiner Meinung nach die Verteidigung behindert.

Nur wenige Stunden verhandlungsfähig

Wolf räumte auch zwei Banküberfälle ein, die ihm in dem Prozess vorgeworfen werden. Sein Anwalt hatte zuvor eine umfassende Aussage angekündigt. Dem mehrfach vorbestraften 58-Jährigen gelang schon viermal die Flucht vor der Justiz: 1982 aus einer Gefängnisklinik, 1988 aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Gütersloh, 1989 aus der JVA Geldern.

Silvester 1999 bekam er Hafturlaub - und kehrte am Neujahrstag nicht ins Gefängnis von Moers-Kapellen in Nordrhein-Westfalen zurück, wo er unter anderem wegen Bankraubs eine Gesamtstrafe von 21 Jahren hätte verbüßen sollen. Kurz darauf überfiel er eine Commerzbank in Hamburg-Altona und erbeutete 250.000 Euro.

Auf seiner Flucht soll Wolf in den Niederlanden eine weitere Bank überfallen haben, ein Versuch in Brüssel scheiterte. Er ging immer nach demselben Muster vor: Er rief eine Bank an, bestellte einen hohen Geldbetrag und tauchte dann mit einer Waffe in der Hand in der Filiale auf. Zudem trug er einen Koffer, in dem eine Bombenattrappe lag.

Wolf ist wegen einer Borreliose-Erkrankung nur wenige Stunden täglich verhandlungsfähig. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie für Wolf Sicherungsverwahrung beantragt.

jjc/dpa

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